Die drei Fronten im „Krieg gegen das Bargeld“

von Lukas Sustala / 08.06.2015

Was ist da los? Ökonomen, Steuerexperten und Regierungen scheinen einen neuen Intimfeind zu haben: das Bargeld. Seit Wochen werden medial Ideen und Vorschläge für die Abschaffung des Bargelds gewälzt.

Drei Argumente werden dafür ins Feld geführt: Makroökonomie, Schattenwirtschaft und Technologie. Der Ökonom Willem Buiter ist einer der lautesten Kritiker des Bargelds und forderte auch bei einer aktuellen Konferenz dessen Abschaffung. Nur so ließe sich die Schwäche der Wirtschaft überwinden. Sein ökonomisches Argument: Die Geldpolitik müsse den Zins aktuell unter die Nulllinie drücken. Allein: Wenn Bargeld existiert, sei ein negativer Zinssatz nicht durchzusetzen, so Buiter und viele andere Volkswirte.

Auch die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Kriminalität werden von den Befürwortern des Verbots herangezogen. Der bekannte Harvard-Ökonom und Ex-Chefvolkswirt der Weltbank, Kenneth Rogoff, stößt immer wieder in dieses Horn.

Zumindest das Argument, dass neue Technologien das Bargeld obsolet machen, scheint seine Berechtigung zu haben. Denn am Ende des Tages ist klar, dass die Rolle von Bargeld in einer Welt, in der immer mehr Akte des Kaufens und Verkaufens digital ablaufen, konsequenterweise abnimmt. Die Regierung in Dänemark hat diesen Trend zur bargeldlosen Gesellschaft schon deutlicher vollzogen und überlegt daher logischerweise, Unternehmen davon zu entbinden, Bargeld annehmen zu müssen. Das Ende des Bargeldzwangs in Dänemark scheint unausweichlich. Doch wie wahrscheinlich ist das in Österreich?

In einem Papier der Oesterreichischen Nationalbank halten es heimische Geldökonomen allerdings mit Mark Twain: „We would say that the reports of the death of cash have been greatly exaggerated.“ Denn in Österreich und Deutschland ist Bargeld noch immer für ein Gros der Transaktionen verantwortlich. Kaum ein Politiker wird es daher wagen, sich öffentlich für ein mögliches Bargeldverbot einzusetzen.