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Tech-Giganten

Die drei Motoren hinter Amerikas Technologiekonzernen

von Christiane Hanna Henkel / 29.07.2016

Mit Alphabet und Amazon haben am Donnerstagabend zwei weitere Schwergewichte ihre Quartalszahlen vorgelegt und damit eine für die amerikanische Technologiebranche überaus ereignisreiche Woche beendet.

Auch wenn im Silicon Valley derzeit an unzähligen, auf der Digitalisierung beruhenden Geschäftsideen gearbeitet wird, so hat diese Woche abermals gezeigt, wo derzeit im Internet das Geld liegt: Im Verkauf von Anzeigenflächen in digitalen Medien, im Bereich der Smartphones und im Cloud-Computing. Für den ersten Bereich muss man längst kein Medienunternehmen sein wie früher. Google und Facebook zeigen, dass eine Suchmaschine oder ein soziales Netzwerk Nutzer in Scharen anziehen kann und dann ein lukratives Umfeld für die Anzeigen der werbetreibenden Wirtschaft bietet.

Alphabet mit Gewinnsprung

Alphabet etwa hat, wie das Unternehmen am Donnerstag nach New Yorker Börsenschluss bekanntgegeben hat, im zweiten Quartal (per Ende Juni) seinen Umsatz um 21% (währungsbereinigt um 25%) auf 21,5 Milliarden Dollar und den Gewinn um 24% auf 4,9 Milliarden Dollar gesteigert. Facebook hatte am Vortag ebenfalls beeindruckende Wachstumsraten aufweisen können. Beide Konzerne verstehen zudem den Trend, die Suchmaschine bzw. das soziale Netzwerk auf mobilen Endgeräten wie dem Smartphone zu nutzen, in ein Geschäft umzuwandeln. Ganz einfach ist das nicht, schliesslich sind die Bildschirme viel kleiner, die Nutzungsgewohnheiten der Kunden andere und die Werbeformen ebenfalls.

Doch Google konnte etwa im zweiten Quartal von diesem Trend offenbar gar profitieren. Die Nutzer jedenfalls klicken im letzten Quartal öfter auf die Anzeigen als im Vorjahresquartal, nämlich rund 29% mehr. Allerdings konnte Google für die Anzeigen auf Mobilgeräten nicht so viel verlangen wie jene, die auf Desktops oder Laptops geschalteten werden. Der Preis pro Klick lag denn auch generell 7% unter jenem im Vorjahresquartal. Im ersten Quartal war er aber noch um 9% zurückgegangen. Gemäss Firmenangaben werden die Hälfte der Suchanfragen bereits über Smartphones und Tablets gestellt.

Google und Facebook sind laut eMarketer auf dem weltweiten Markt für digitale Werbung (Volumen von 187 Milliarden Dollar) die Nummer eins (mit einem Marktanteil von 31%) bzw. die Nummer zwei (Marktanteil von 12%). Die beiden Werbeplattformen – die Suchmaschine und das soziale Netzwerk sind letzten Endes nichts anderes – gehören mit einer Marktkapitalisierung von 525 Milliarden Dollar bzw. 359 Milliarden Dollar denn auch zu den wertvollsten Konzernen der Welt. Am Dienstag hatte überdies bereits der Technologiekonzern Apple gezeigt, dass er wohl auch weiterhin vom Trend zur mobilen Kommunikation wird profitieren können. Diesen hatte der heute am Börsenwert (571 Milliarden Dollar) gemessen weltweit wertvollste Konzern mit der Lancierung des iPhones stark beschleunigt.

Das Ende von Yahoo

Googles Aufstieg und der erneute Erfolg im zweiten Quartal steht der langsame, aber während zwei Dekaden unaufhaltsame Abstieg des Konkurrenten Yahoos gegenüber. Dessen Ende als eigenständiges Unternehmen war am Montag durch den Aufkauf des amerikanischen Telekomkonzerns und grössten Mobilfunkbetreiber des Landes, Verizon, besiegelt worden. Gerade mal 4,8 Milliarden Dollar musste dieser auf den Tisch legen. Vor acht Jahren hatte Microsoft noch 48 Milliarden Dollar geboten; das Yahoo-Management hatte damals aber gedacht, dass das Portal sehr viel mehr wert sei. Offenbar hatte man gehofft nochmals an die glorreichen Zeiten des New-Economy-Booms anknüpfen zu können. Damals hatte der Börsenwert die Marke von 125 Milliarden Dollar überschritten.

Es gibt wohl viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Wege von Yahoo und Google so unterschiedliche Richtungen genommen haben. Beide starteten mit dem Ziel, den frühen Internet-Nutzern Orientierung im Netz zu ermöglichen. Yahoo entwickelte sich zu einer Art Portal, auf der per Hand erstellte Verzeichnisse die Internet-Inhalte ordneten und auf dem zunehmend auch eigene Inhalte und Dienstleistungen wie E-Mail angeboten wurden. In gewisser Weise verzettelte sich das unter ständig wechselnder Führung stehende Yahoo.

Google hingegen setzte von Anfang an auf Technik und Software; die Suchmaschine war Software gesteuert und daher effizienter und konnte dem anhaltenden Wachstum der Anfragen standhalten. Im Endeffekt hat Google bei allen Geschäftsaktivitäten immer die Suchmaschine – und ultimativ dessen Vermarktung als Werbeplattform – in den Vordergrund gestellt. So hat etwa auch die Etablierung von Googles Smartphone-Betriebssystems Android dafür gesorgt, dass die Handynutzer die Google-Suchmaschine nutzen. Dass Google in den zwei Dekaden immer von gleichen Management-Team und unter enger Führung der beiden Gründer geleitet wurde, dürfte ebenfalls zum Erfolg beigetragen haben.

Erst in den letzten Jahren hat der mittlerweile in Alphabet umbenannte Konzern übrigens neben seiner Suchmachinentochter Google neue Projekte auf den Weg gebracht wie die Haus-Steuerung Nest oder selbstfahrende Autos; dieser Zukunftsbereich erwirtschaftete im zweiten Quartal gerade mal einen von 74 Millionen Dollar im Vorjahr auf nun 185 Millionen Dollar erhöhten Umsatz; der Betriebsverlust weitete sich von 660 Millionen Dollar auf auf 859 Millionen Dollar aus.

Zwischen Markt und Technik

Offenbar verstand das aus Software-Ingenieuren bestehende Google-Team immer aber auch, die Suchmaschine als Werbeplattform zu vermarkten. Diese Fähigkeit lässt die Kommunikationsplattform Twitter vermissen. Zwar hat Twitter einen wichtigen Platz als Medium für den Informationsaustausch eingenommen, aber die Firma hat Mühe, als Werbeplattform zu wachsen. Darauf deuten die jüngsten Quartalszahlen hin. Für die Investoren ist das eine Enttäuschung, und der Börsenwert hat sich im letzten Jahr auf nun 11 Milliarden Dollar halbiert. Aber auch wenn Twitter wohl nach dem jetzigen Stand ein Gigant wie Google nicht werden wird, eine unternehmerische und auch medientechnische Erfolgsgeschichte ist das noch recht junge Unternehmen aber dennoch.

Der dritte Motor, der viele Technologie-Unternehmen in den USA derzeit antreibt, ist das Geschäft mit dem Cloud-Computing; Firmen speichern ihre Software immer öfter auf von Dienstleistern bereitgestellten Speichern und beziehen bzw. mieten die Software nur dann, wenn sie sie brauchen. Der Online-Händler Amazon.com hat diesen Bereich in den letzten Jahren stark ausgebaut. Im zweiten Quartal konnte der Konzern, wie er am Donnerstagabend nach New Yorker Börsenschluss bekanntgab, den damit erzielten Umsatz (Amazon Web Services, AWS) um 58% auf 2,9 Milliarden Dollar steigern. Es ist erklärtes Ziel von Amazon-Chef Jeff Bezos, noch in diesem Geschäftsjahr einen AWS-Umsatz von 10 Milliarden Dollar zu erzielen. Der Konzernumsatz legte um 31% auf 30,4 Milliarden Dollar zu. Das profitable Cloud-Geschäft trug auch zum Anstieg des Konzerngewinns auf 857 Millionen Dollar von 92 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum bei.

Auch das durch Fehlinvestitionen und den Rückgang der PC-Verkäufe gebeutelte Microsoft hatte erst letzte Woche mit dem Cloud-Geschäft („Azure“) einen Lichtblick in seine Präsentation der Quartalszahlen bringen können. Der Umsatz mit Azure konnte um 108% auf 800 Millionen Dollar gesteigert werden. Damit rangiert Microsoft im Cloud-Geschäft nach Amazon auf dem zweiten, wenn auch weit abgeschlagenen Platz.