AP / Vahid Salemi

Ende der Sanktionen

Die Erdölbranche steht schon Schlange im Iran

von Gerald Hosp / 18.01.2016

Die Aufhebung internationaler Sanktionen bereitet Teheran wieder den Weg an die globalen Ölmärkte. Irans Ölförderung wird nach Ende der Sanktionen aber noch länger stottern.

Dank der Aufhebung der internationalen Sanktionen darf der Iran nun wieder Erdöl und Erdgas ohne Einschränkungen an den internationalen Energiemärkten verkaufen und das weltweite Finanzsystem für den Handel nutzen. Die Rückkehr des Landes mit den viertgrößten konventionellen Erdölreserven der Welt an den Weltmarkt wird das Angebot in einem ohnehin gut versorgten Ölmarkt erhöhen. Auch wenn die zusätzlichen iranischen Öllieferungen über die Zeit keine Überraschung sein dürften, werden sie die Erdölpreise weiter unter Druck halten, die so niedrig wie schon seit zwölf Jahren nicht mehr sind.

Schwimmende Lager

Teheran ließ bereits verlauten, unmittelbar 500.000 Fass Erdöl pro Tag mehr zu exportieren. In ein paar Monaten sollen es rund eine Million Fass mehr werden, was einer Verdoppelung der bisherigen Ausfuhren gleichkommen würde. Auch nach der Verschärfung der Wirtschaftssanktionen hat der Iran nach 2011 noch Öl in Länder wie China, die Türkei, Japan, Südkorea oder Indien exportiert. Traditionell ist aber Europa der größte Markt gewesen. Hinter den neuen Plänen steht jedoch ein großes Fragezeichen.

Um an zusätzliche Einnahmen zu kommen, muss Teheran in einem übersättigten Markt wohl Preisnachlässe gewähren. Wie gewillt der Iran zu solchen Rabatten ist, bleibt fraglich. Gegenstand von Spekulationen sind aber auch die iranischen Produktionskapazitäten und wie schnell diese hochgefahren werden können. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA), einem Energie-Thinktank der Industrieländer, förderte Iran im November vergangenen Jahres 2,9 Millionen Fass pro Tag.

Das Fördervolumen, das in einigen Monaten erreicht werden kann, gibt die IEA mit 3,6 Millionen Fass an. Die Erdölproduktion kann nicht wie ein Wasserhahn auf- und zugedreht werden. Je nachdem, wie sorgfältig der Produktionsrückgang bewerkstelligt wurde, kann die Förderung unterschiedlich schnell wieder aufgenommen werden. Auf alle Fälle kann Teheran aber rasch rund 36 Millionen Fass Öl freisetzen, die derzeit in Tankern zwischengelagert sind. Dabei handelt es sich laut IEA zu 67 Prozent um Kondensat, eine Form ultraleichten Rohöls.

Spannungen mit Saudi-Arabien

Um die Produktion langfristig substanziell zu erhöhen, ist der Iran auf Kapital und Technik ausländischer Konzerne angewiesen. Die Zeiten sind schon lange Vergangenheit, als in den 1970er Jahren vor der Revolution eine Produktionsspitze von rund 6 Millionen Fass pro Tag erreicht worden war. Die iranische Regierung rührt seit einiger Zeit die Werbetrommel für Investitionen in die Erdöl- und Gasbranche.

Iran ist nicht nur eine Ölmacht, die Erdgasreserven sollen laut Zahlen von BP gar größer als diejenigen Russlands sein. Im November hatte der Iran an einer Konferenz mit neuen Investitionsbedingungen geworben. Neben den politischen Spannungen zwischen Teheran und dem Westen ließ bisher auch ein unattraktives Investitionsregime ausländische Unternehmen einen Bogen um den Iran machen. Konzerne wie Royal Dutch Shell, Total oder Lukoil aus Russland haben sich bereits für Felder interessiert. Im Februar findet eine weitere Investorenkonferenz in London statt. Auffällig ist die Abwesenheit amerikanischer Unternehmen. Auf einem Engagement in Iran lasten immer noch teilweise Sanktionen, niedrige Ölpreise, Probleme bei der Finanzierung sowie ein politisch schwieriges Regime.

Irans Einfluss auf die Ölmärkte wird aber indirekt beträchtlich sein. Innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die durch Saudi-Arabien dominiert wird, hat Teheran klargemacht, sich an keine Quoten zu halten. Dies hatte auch zum Ergebnis des OPEC-Treffens im Dezember geführt, dass jedes Mitglied machen kann, was es will. Mit den jüngsten Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran ist es auch unwahrscheinlich, dass sich die OPEC auf eine neue Linie einigt. Damit dürfte es weiterhin bei einer Politik der offenen Hähne bleiben, bei der kein Land Konzessionen machen will, wenn nicht andere auch die Förderung drosseln.