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Konjunktur

Die Euro-Zone kommt nur mit Trippelschritten voran

von Nicole Rütti / 12.02.2016

Die 28 Volkswirtschaften der EU sind im vierten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Von einem markanten Aufschwung kann dabei nicht die Rede sein.

Die konjunkturelle Erholung Europas festigt sich – wenn auch in Trippelschritten. Wie das Statistikamt Eurostat gestützt auf erste Schätzungen bekanntgab, sind die 28 Volkswirtschaften der EU im vierten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, was etwa den Erwartungen der Konjunkturauguren entsprach. Dieselbe Zunahme des Bruttoinlandproduktes (BIP) wies auch der Euro-Raum auf. Damit hat die EU-Wirtschaft das Wachstumstempo des Vorquartals (0,3 Prozent) gehalten, und für das Gesamtjahr resultiert immerhin eine BIP-Steigerung von 1,5 Prozent (Euro-Raum) bzw. 1,8 Prozent (EU-28). Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (Euro-Raum: 0,9 Prozent, EU-28: 1,4 Prozent), wenn auch noch weit entfernt von einem markanten Aufschwung. Zum Vergleich: Die Expansion in den USA betrug – trotz schwachem viertem Quartal – immerhin 2,4 Prozent. Zugleich hat sich die Dynamik in Europa im Vergleich mit dem ersten Halbjahr sichtlich abgeschwächt.

Großes Wachstumsgefälle

Das Wachstumsgefälle innerhalb der EU bleibt dabei nach wie vor groß. Während die griechische Wirtschaft im Schlussquartal um 0,6 Prozent schrumpfte, avancierte das BIP Spaniens immerhin um 0,8 Prozent. Europas größte Volkswirtschaft, Deutschland, erreichte mit 0,3 Prozent ein durchschnittliches Wachstum. Laut dem Statistischen Bundesamt kamen die Wachstumsimpulse vor allem aus dem Inland: So erhöhte der deutsche Staat seine Konsumausgaben deutlich, was auf die gestiegenen Ausgaben für die Versorgung der Flüchtlinge zurückzuführen sein dürfte. Auch der Konsum und die Investitionen Deutschlands entwickelten sich positiv. Gebremst wurde das Wachstum hingegen vom Außenhandel, weil weniger Waren exportiert wurden als im Vorquartal.

Stimulatoren und Risiken

In Italien (0,1 Prozent) und Frankreich (0,2 Prozent) war die Dynamik einmal mehr bescheiden. Stark entwickelten sich hingegen wiederum die osteuropäischen Staaten wie Polen, Ungarn, Rumänien sowie die Slowakei. Schwach schnitt hingegen Finnland ab: Nach zwei Quartalen mit negativen Wachstumsraten befindet sich die Volkswirtschaft in einer (technischen) Rezession.

Die EU-Kommission erwartet für das laufende Jahr im Euro-Raum eine Zunahme des BIP um 1,7 Prozent. Die Hoffnungen der Ökonomen richten sich auf die niedrigen Erdölpreise, die das Realeinkommen und den Konsum fördern, auf das niedrige Zinsniveau sowie den günstigen Wechselkurs des Euro. Risiken bergen demgegenüber die Wachstumsverlangsamung in China und anderen Schwellenländern, der schwache Welthandel sowie geopolitische Unsicherheiten.