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Die EZB bleibt geldpolitisch auf dem Gas

von Claudia Aebersold Szalay / 04.06.2015

Die Preise in der Euro-Zone sind jüngst wieder angestiegen. Für die EZB ist dies aber kein Grund, ihre quantitative Lockerung – milliardenschwere Anleihenkäufe – frühzeitig zu beenden, berichtet NZZ-Wirtschaftskorrespondentin Claudia Aebersold Szalay aus Frankfurt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen trotz gebannter Deflationsgefahr fortführen. Wie EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch im Anschluss an die Ratssitzung vor Journalisten ausführte, wird das Programm, das im Januar dieses Jahres zur Bekämpfung der sehr tiefen Inflation in der Euro-Zone lanciert worden war, wie geplant bis September 2016 fortgesetzt, obwohl die Projektionen der hauseigenen Volkswirte (siehe Tabelle) darauf hinweisen, dass die Notenbank ihr eigenes Ziel einer Teuerungsrate von unter, aber nahe bei 2% bald wieder erreichen dürfte.

 Laut den EZB-Prognosen wird dies im laufenden Jahr zwar noch nicht der Fall sein, im nächsten und übernächsten Jahr aber schon. Sich deswegen bereits heute zu einem möglichen Ausstieg aus dem Programm Gedanken zu machen, tat Draghi aber als Luxusproblem ab und betonte, man sei an der Inflationsfront noch lange nicht am Ziel.

Mehrmals wiederholte er die Aussage, es brauche die „volle Umsetzung des Programms“, um die Teuerung in der Euro-Zone wieder auf einen nachhaltigen Pfad zu bekommen. Auch die Erwartungen der EZB-Ökonomen fussen laut Draghi darauf, dass das Programm gänzlich umgesetzt wird. Zufrieden mit der Wirkung des eigenen Handelns ist der EZB-Rat aber heute schon. Das leichte Anziehen der Inflation im Mai hat das Notenbankgremium laut Draghi nicht überrascht. Vielmehr sei dies als Reaktion auf die eigene expansive Politik so zu erwarten gewesen, meinte er. Die jüngsten Preisdaten im Euro-Raum bestärken den Rat vielmehr in seiner Überzeugung, mit der quantitativen Lockerung zwecks Deflationsbekämpfung das Richtige getan zu haben.

Auch die Konjunktur erhole sich wie geplant, den leichten Verlust an Momentum führte Draghi auf die schwächere Nachfrage der Schwellenländer zurück, also auf Faktoren außerhalb der Euro-Zone. Die Nachfrage innerhalb der Währungsunion sei nach wie vor stark und die Haupttriebkraft der leichten Erholung. Diese wird laut EZB aber nur langsam an Fahrt gewinnen. Vor diesem Hintergrund überraschte es wenig, dass der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert auf dem bisherigen historisch tiefen Niveau beließ.

Mehr noch als für die Konjunktur interessierten sich die Journalisten im Austausch mit dem EZB-Präsidenten aber für das Thema Griechenland. Draghi schwieg zu den Inhalten der Gespräche, die am Montagabend in Berlin in seinem Beisein stattgefunden hatten. Er betonte aber, die EZB wolle Griechenland mit einer „starken Vereinbarung“ in der Euro-Zone halten.