imago/Hans-Günther Oed

Geldpolitik der EZB

Die EZB hat keinen Grund für Aktionismus

Meinung / von Thomas Fuster / 22.10.2015

In der Euro-Zone werden die Rufe nach einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms lauter. Wenn man aber genau hinsieht, gibt es für solchen geldpolitischen Aktionismus wenig Gründe, meint NZZ-Wirtschaftsredakteur Thomas Fuster.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) darf bei seiner heutigen Zinssitzung auf Malta etwas Meeresluft schnuppern. Es ist aber nicht zu erwarten, dass die Klimaänderung eine Politikänderung auslösen wird; vielmehr wird mit einer Bestätigung des jetzigen Kurses gerechnet.

Dennoch festigt sich die Erwartung, dass die EZB später, indes noch dieses Jahr, eine weitere Lockerung der Politik bekanntgeben wird. Am Markt wird man denn auch sorgsam notieren, mit welchen Worten der EZB-Präsident Mario Draghi entsprechende Erwartungen zu bestätigen oder zu entkräften versucht.

Ein Blick auf den Devisenmarkt legt den Schluss nahe, dass die Händler eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms in diesem Jahr als Faktum betrachten. So hat der Euro in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar kaum an Wert zugelegt, obschon in den USA die Hinweise zahlreicher wurden, dass die seit einer gefühlten Ewigkeit angekündigte Zinswende erneut auf die lange Bank geschoben wird. Dieses Zögern hätte dem Euro eigentlich Auftrieb verleihen sollen, was in Erwartung einer weiteren Geldschwemme im Euro-Raum aber kaum der Fall war.

Die EZB sollte daher zunächst die Wirkung des erst im März lancierten Anleihekaufprogramms abwarten, ehe man dem Markt schon wieder zusätzliche Massnahmen in Aussicht stellt.

Es ist zu hoffen, dass der Markt falsch liegt. So gibt es wenig Gründe für eine weitere monetäre Expansion. Am Dienstag publizierte Daten der EZB zeigen, dass die Kreditvergabe in der Euro-Zone zwischen Juli und September lockerer geworden ist, wobei für das vierte Quartal mit einer Fortsetzung des Trends gerechnet wird. Zudem dürfte die derzeit sehr tiefe Inflation gegen Ende Jahr wieder steigen, und zwar aufgrund des Basiseffekts, der mit dem Rückgang des Erdölpreises von Ende 2014 einhergeht.

Aktionismus ist fehl am Platz. Geldpolitik wirkt zudem stets mit einem Verzögerungseffekt. Die EZB sollte daher zunächst die Wirkung des erst im März lancierten Anleihekaufprogramms abwarten, ehe man dem Markt schon wieder zusätzliche Maßnahmen in Aussicht stellt.