Die EZB lässt die Märkte tanzen: 11 Charts zum ersten Quartal

von Lukas Sustala / 07.04.2015

Aktien boomten und Anleihenzinsen tauchten ab angesichts der Milliardenflut der Europäischen Zentralbank. Am heimischen Kapitalmarkt sorgte Raiffeisen für Wehe, und Übernahmeangebote bei Immo-Aktien sorgten für Wohl. Das erste Quartal, zusammengefasst in einem Chartbook. Eine Premiere auf NZZ.at.

Im ersten Quartal konnten Investoren an den Aktienmärkten wenig falsch machen. Angetrieben von der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, bis September 2016 1.140 Milliarden Euro in den Markt zu pumpen, sind vor allem europäische Börsen kräftig gestiegen. Auch jene Märkte, die noch im Herbst oder Winter des Vorjahres gecrasht sind (etwa Russland) stiegen kräftig. Die griechische Börse knickte im jüngsten Tumult ein, in den USA ist es wohl eher der Preis, der Investoren zurückhaltend macht:

Gewinne, außer in Griechenland
Gewinne, außer in Griechenland

Kaum eine Zentralbank bewegte die Märke so wie die EZB. Seit 9. März kauft sie Staatsanleihen auf, 60 Milliarden Euro pro Monat sollen so in die Finanzmärkte fließen:

Die EZB startet ihr Wachstum
Die EZB startet ihr Wachstum

Die europäischen Notenbanker sind damit auf einem anderen Kurs als andere große Zentralbanken. Tatsächlich werden nur die Japaner und die Europäer künftig kräftig in Wertpapiere investieren, die US-Notenbank und die britische BoE haben ihre Ankaufprogramme schon gestoppt:

Kursdifferential: Geldpolitiker gehen unterschiedliche Wege
Kursdifferential: Geldpolitiker gehen unterschiedliche Wege

Eine Konsequenz ist auf dem Währungsmarkt abzulesen: Der Dollar ist deutlich gestiegen, etwa gemessen am Dollar-Index gegen die wichtigsten Währungen der Handelspartner. Gegen den Euro notiert der Greenback nahe Parität:

Die EZB druckt, der Dollar steigt
Die EZB druckt, der Dollar steigt

So verwundert es nicht, dass gerade US-Investoren ihren Weg nach Europa finden. Die Flüsse bei Aktienfonds fließen seit Jahresbeginn aus den USA nach Europa. Mit dem starken Dollar im Gepäck lässt sich offenbar so manches Schnäppchen finden:

Europa schlägt die USA
Europa schlägt die USA

Noch extremer ließ sich das Auseinanderdriften innerhalb Europas ablesen. Die Schweizerische Nationalbank hat im Jänner das Ende des Mindestkurses des Euro gegen den Franken verkündet. Die Schweizer Währung ging daraufhin gegen den Euro durch die Decke, obwohl die Schweizer Notenbanker versuchten, die Kapitalflucht mit Negativzinsen unattraktiv zu machen:

Der Franken ging durch die Decke
Der Franken ging durch die Decke

Das billige Zentralbankgeld kommt auch bei Unternehmen an, die sich besonders billig refinanzieren können. Das hat zu einem regelrechten Übernahmeboom geführt und dem stärksten Quartalsauftakt für M&A-Deals seit 2007:

Firmen nutzen die Nullzinsen – und kaufen zu
Firmen nutzen die Nullzinsen – und kaufen zu

Nach dem Ölpreiszerfall hat sich der Markt leicht stabilisiert. Vor allem die Nordsee-Marke Brent kostet derzeit wieder mehr als zu Jahresbeginn, aber immer noch deutlich weniger als die über fünf Jahre typischen 100 Dollar je Fass:

Ausgerutscht: Die Ölpreise bleiben niedrig
Ausgerutscht: Die Ölpreise bleiben niedrig

Gerade auch die tiefen Ölpreise halten den Druck auf Russland aufrecht. Der russische Rubel hat sich von seinem Absturz noch nicht erholt:

Der Rubel: Ausgerollt
Der Rubel: Ausgerollt

Eng mit dem Schicksal Russlands ist auch jenes der Raiffeisen-Aktie verbunden, macht die Osteuropabank unter dem Giebelkreuz doch einen erheblichen Teil des Gewinns in Russland. Im ersten Quartal sind aber auch Sorgen über die langfristige Kapitalisierung im Raiffeisenverbund aufgetaucht und haben auch die Anleihen der RZB beispielsweise abstürzen lassen. Vom tiefsten Punkt haben sich die Papiere aber wieder erholt:

Raiffeisen
Raiffeisen

Auch eine Übernahmeschlacht hat Wien erfasst. Die beiden Immobilien-AGs Immofinanz und CA Immo haben sich in den kommenden Wochen mit Angebot und Gegenangebot attackiert. Die Aktionäre scheinen sich bis dato über den Übernahmekampf zu freuen:

Immos
Immos