Wie die EZB die Devisenmärkte verrückt macht

von Lukas Sustala / 04.02.2015

Die Finanzmärkte laufen bereits vor den Staatsanleihenkäufen der EZB heiß und Negativzinsen werden von einem Kuriosum zum Normalzustand. Auf dem Devisenmarkt steht Dänemark dabei im Fokus der Investoren.

Während die EZB den Ankauf der 1.140 Milliarden Euro an Staatsanleihen noch vorbereitet, verrücken an den Finanzmärkten bereits wichtige wirtschaftliche Wegmarken. Die Zinsen für Staatsanleihen purzeln in den Keller und mit ihnen auch die Zinsen für riskante Wertpapiere. Besonders verrückt ist die Zinslage derzeit in Dänemark.

Nicht nur, dass die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf die Nulllinie zusprinten. Anders ausgedrückt können sich die Staaten von Anlegern für zehn Jahre quasi umsonst Geld leihen. Für kürzere Laufzeiten sind die Staatsanleihenzinsen in Dänemark und der Schweiz schon deutlich negativ.

Die Negativzinsen kommen bereits bei den Verbauchern an. Eine dänische Bank (Nordea Kredit) hat angekündigt, dass sie Häuslbauern für Hypotheken (Negativ-)Zinsen zahlen könnte. Schließlich könnten Banken auch mit Gebühren Geld verdienen.

Das irre Zinsumfeld ist auch die Konsequenz der dänischen Währungspolitik. Dänemark hat die Krone eng an den Euro gekoppelt. Investoren wetten offenbar zusehends darauf, dass diese Anbindung aufgehoben wird und die Krone massiv steigt. Ihre dänischen Anleihen würden dadurch in Euro oder Dollar gerechnet aufgewertet werden.

Dabei ist die dänische Wechselkurspolitik nicht erst ein paar Jahre, sondern mehrere Jahrzehnte alt (vor dem Euro war die dänische Krone bereits Teil des europäischen Wechselkursmechanismus WKM). Daher erwarten Ökonomen auch nicht, dass die Bindung an den Euro wie in der Schweiz aufbricht.

Dänen wollen keine Schulden mehr machen

Aber Dänemark muss in die geldpolitische Trickkiste greifen, um die internationalen Kapitalströme nach Kopenhagen zu blockieren. Das Finanzministerium hat vergangenen Freitag verkündet, keine neuen Staatsanleihen mehr auszugeben. Denn damit würden erst recht wieder nur internationale Investoren die Möglichkeit bekommen, auf eine steigende Krone zu wettenDie Dänen könnten aber auch einem Denkfehler unterliegen. Denn weniger Angebot führt traditionell auch zu höheren Preisen von Wertpapieren – und damit zu niedrigeren Zinsen..

Die dänische Zentralbank ist ebenso höchst aktiv dabei, die Krone weniger attraktiv zu machen. Dazu kauft sie ausländische Wertpapiere aus dem Euroraum, um den Kurs zwischen Euro und Krone stabil zu halten. Am Dienstag hat sie neue Daten zu den stark wachsenden Währungsreserven ausgegeben: Sie sind im Jänner sprunghaft um über 106 Milliarden dänische Kronen angewachsen (umgerechnet 14,2 Mrd. Euro). Damit hat die dänische Zentralbank in einem Monat rund fünf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in Wertpapiere investiert.

Dabei gibt es sicher noch Luft nach oben: Der Währungsschatz der Schweiz ist gut viermal so groß wie der von Dänemark. Doch Dänemark wird sich wohl noch weiter gegen die internationalen Kapitalströme stemmen, wenn es den festen Wechselkurs zwischen dänischer Krone und Euro stabil halten will. Das wird auch heißen, dass die Zinsen in Dänemark noch weiter fallen könnten.

Banken zahlen für Einlagen bei der dänischen Notenbank – wie auch in der Eurozone – mittlerweile einen Strafzins. Das soll Finanzinvestoren davon abhalten, Geld in Dänemark zu parken.

Das wird wegen der EZB-Politik, den Euro mit Staatsanleihenkäufen zu schwächen, wohl auch notwendig sein.