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Update

Die EZB schafft den 500-Euro-Schein ab – und damit kein Vertrauen

von Lukas Sustala / 04.05.2016

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat getagt und entschieden. Die 500-Euro-Banknote wird abgeschafft und ab 2018 nicht mehr produziert. Zu diesem Zeitpunkt sollen die neuen 100- und 200-Euro-Scheine in Umlauf gebracht werden. 187 Wörter brauchte die EZB in ihrer Aussendung, um das Ende des Scheins zu besiegeln (Sie finden die Aussendung im Original am Ende des Textes).

Warum aber hat sich die EZB dafür entschieden die wertvollste Banknote zu streichen? Die Zentralbank nennt die „Sorge, dass dieser Geldschein gesetzwidrige Aktivitäten fördern könnte“ als Grund für dessen Ende.

Dagegen kann man an sich wenig einwenden. Auch wenn die Abschaffung eines Geldscheines angesichts anderer Möglichkeiten, unrechtmäßig erworbenes Vermögen zu parken, wohl kein besonders effektives Mittel ist.

Eine geldpolitische Entscheidung, die der Kriminalitätsbekämpfung dient, klingt auf den ersten Blick kaum verfänglich. Doch nicht zuletzt wegen des Timings sehen einige Ökonomen die Sache anders. Clemens Fuest, Präsident des Münchner ifo Instituts, warnt: „Die Abschaffung der 500-Euro-Scheine untergräbt das Vertrauen in die EZB. Es muss der Eindruck entstehen, dass der Hauptgrund der Abschaffung das Ziel ist, die Zinsen weiter in den negativen Bereich zu bringen.“

Fuest und andere bringen die Entscheidung weniger mit der vermeintlichen Kriminalitätsbekämpfung in Verbindung, sondern mit dem Versuch der EZB, die Null- und Negativzinspolitik effektiver durchzusetzen. Bereits heute gibt es für Einlagen bei der EZB einen Strafzins von –0,4 Prozent. Einige Geschäftsbanken selbst haben den negativen Zins bereits an Groß- und Firmenkunden und auch vermögende Privatkunden weitergereicht. Liquidität wird also besteuert. Mit Bargeld ließe sich dieser Steuersatz freilich umgehen – stattdessen würden lediglich Kosten für Lagerung und Sicherheit zu zahlen sein.

So ist die Reaktion auch von Analystenseite oder bei vielen Vermögensverwaltern durchaus negativ. Auch wenn die Abschaffung des 500-Euro-Scheins wohl wenige Menschen direkt betrifft, wirkt sie wie der verzweifelte Versuch die bereits verzweifelt wirkende Geldpolitik noch einmal zu unterstützen.

Ob die Geldpolitik durch die Abschaffung des Geldscheins besser wirkt, ist jedenfalls fragwürdig. In Österreich sind sieben Millionen 500-Euro-Exemplare im Umlauf, was immerhin eine Summe von 3,5 Milliarden Euro ausmacht. Ob dieses Geld durch die Abschaffung und das Produktionsende irgendwie „aktiviert“ wird, also in den Wirtschaftskreislauf kommt, ausgegeben und investiert wird, ist zu bezweifeln. Ob nun Erspartes in großen Scheinen oder etwa in Gold geparkt wirkt, macht volkswirtschaftlichen kaum einen Unterschied.

Was es bräuchte, wäre mehr Vertrauen in eine wirtschaftliche Erholung und sinnvolle Wirtschaftspolitik, nicht kleinere Stückelungen bei den Banknoten.


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Die Aussendung im Original:

„Today the Governing Council of the European Central Bank (ECB) concluded a review of the denominational structure of the Europa series. It has decided to permanently stop producing the €500 banknote and to exclude it from the Europa series, taking into account concerns that this banknote could facilitate illicit activities. The issuance of the €500 will be stopped around the end of 2018, when the €100 and €200 banknotes of the Europa series are planned to be introduced. The other denominations – from €5 to €200 – will remain in place.

In view of the international role of the euro and the widespread trust in its banknotes, the €500 will remain legal tender and can therefore continue to be used as a means of payment and store of value. The Eurosystem, which comprises the ECB and the euro area national central banks, will take steps to ensure that the remaining denominations are available in sufficient quantities.

The €500 banknote, like the other denominations of euro banknotes, will always retain its value and can be exchanged at the national central banks of the Eurosystem for an unlimited period of time.