PAUL RAFTERY

Devisenmärkte

Die EZB schwächt den Euro

von Christof Leisinger / 22.10.2015

Die großen Zentralbanken spielen sich im Wettbewerb um die schwächere Währung die Bälle zu. Am Donnerstag erlitt der Euro einen Rückschlag, da die EZB eine extremere Geldpolitik andeutet. An den Börsen kommt es zu Kursgewinnen.

Die amerikanische und die europäische Zentralbank spielen sich im Wettbewerb um die schwächere Währung weiterhin die Bälle zu. Nachdem die Vertreter der Federal Reserve in den vergangenen Wochen den zuvor hochgeflogenen Erwartungen, sie werde bald den Leitzins erhöhen, den Wind aus den Segeln genommen und so den Dollar in Defensive brachte, hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag nachgezogen.

Draghi will weiter Anleihen kaufen

Sie hat zwar den europäischen Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent belassen. Aber sie hat gleichzeitig die Tür für eine Ausweitung ihres ohnehin schon großangelegten Anleihe-Kaufprogramms weit geöffnet. Notenbank-Präsident Mario Draghi sagte in Malta, bei der nächsten Sitzung im Dezember werde geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend stimuliere. Das zinsbestimmende Gremium, der EZB-Rat, sei gewillt und in der Lage zu handeln, indem es alle Instrumente nutze.

Weitere Äußerungen in der auf die Ankündigung folgenden Pressekonferenz bestätigten weit gediehene Erwartungen, die EZB werde angesichts der immer wieder zitierten Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft geldpolitisch noch expansiver werden als bisher erwartet. Das führte dazu, dass der Euro im Verhältnis zum Dollar innerhalb weniger Minuten um bis zu 1,5 Prozent verloren hat. Im Tagestief waren gerade noch 1,1178 Dollar nötig, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können. Am Mittwoch mussten mussten die Anleger dafür noch bis zu 1,1380 Dollar aufwenden.

Der Euro gibt stark gegen den US-Dollar nach
Der Euro gibt stark gegen den US-Dollar nach

Credits: Factset

Aktienmärkte jubeln

Auch an den europäischen Aktienmärkten setzten sich die geldpolitisch inspirierten „Stimulierungsjunkies“ durch, die davon ausgehen, dass die Zentralbanken unabhängig von den inzwischen erreichten Bewertungsniveaus gewillt sind, die Vermögenspreise auf hohem Niveau zu halten. Diese Art von Optimismus hat sie zu Aktienkäufen verleitet und dazu geführt, dass der DAX im Vergleich mit dem Vortag um bis zu 2,2 Prozent zulegte.