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Walkthrough

Die EZB senkt die Zinsen und die FT baut Mist

von Lukas Sustala / 03.12.2015

Die EZB senkt die Zinsen und die FT berichtet – zunächst – falsch. Wie es um die Unternehmerfeindlichkeit Österreichs steht. Und ein Einblick in die Spendenlaune im Silicon Valley. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Mario Draghi hat die Zinsen gesenkt. Aus der Aussendung: „At today’s meeting the Governing Council of the ECB decided that the interest rate on the deposit facility will be decreased by 10 basis points to -0.30%, with effect from 9 December 2015. The interest rate on the main refinancing operations and the interest rate on the marginal lending facility will remain unchanged at 0.05% and 0.30% respectively.“ Außerdem werden die Anleihenkäufe noch bis März 2017 laufen, nicht nur bis September 2016. Aus dem 1,1-Milliarden-Euro-Programm ist damit ein knapp 1,5-Billionen-Euro-Programm geworden. Bekannt ist zunächst nur, dass die Einlagenzinsen für die Geschäftsbanken tiefer ins negative Terrain gedrückt werden (auf -0,3 Prozent). Tatsächlich hat die Europäische Zentralbank wohl noch andere Optionen, die Geldpolitik zu lockern (NZZ.at). Ob sie es tun sollte, steht auf einer anderen Seite. Klar ist nur, dass es bei der Financial Times einen schweren „mess-up“ gegeben hat. Aus versehen publizierte das britische Medium eine Geschichte, in der es hieß, die EZB habe die Zinsen überraschend unverändert gelassen (Zerohedge). Der Euro erlebte nach dem Entscheid jedenfalls eine wilde Achterbahnfahrt.

Der Euro wertet nach der EZB-Entscheidung auf.
Credits: Factset

Philantropie? Gefällt mir! Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar, natürlich erst über die nächsten Jahrzehnte. Aber seine Rekordspende ist ein Zeichen der neuen Norm für die Philanthropie in den USA: Die Generation der Tech-Unternehmer spendet früher, höhere Beträge und mit höheren Ambitionen (NZZ.at).

Schicksalstage für Yahoo. Dabei zeigt eine genaue Analyse, dass es mit den Tech-Größen auch schnell wieder zu Ende gehen kann. Yahoo etwa steht dieser Tage vor einschneidenden Maßnahmen, denn das Management hat in der jüngsten Vergangenheit eine holprige Performance hingelegt. Die Abspaltung der wertvollen Alibaba-Anteile steht dabei ebenso auf dem Menüplan wie ein Verkauf des Kerngeschäfts. Elisabeth Oberndorfer hat sich angesehen, wie es für das Unternehmen weiter gehen kann (NZZ.at).

Peter Hagen, CEO der Vienna Insurance Group, verlässt das Unternehmen per Jahresende.
Credits: APA/Herbert Neubauer

Bei Versicherungskonzernen scheint aktuell die Managementebene kein sicheres Pflaster zu sein. Nicht nur der CEO der Zurich ist diese Woche abgetreten. Am Mittwochabend hat die Vienna Insurance Group bekannt gegeben, dass Peter Hagen das Unternehmen verlässt. Wegen Differenzen „über die weitere strategische Ausrichtung und Führung des Konzerns“ scheidet Hagen „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ mit Wirkung vom 31. Dezember aus, wie der Konzern am Mittwochabend mitteilte. Der Vertrag des bald 56-Jährigen, der seit 1. Juni 2012 CEO ist, wäre noch bis Juni 2018 gelaufen.

Streiten von A bis Zielpunkt. Nachdem es so viel Feedback auf den Text von Kollegen Kattinger über das unternehmerfeindliche Klima in Österreich gegeben hat (NZZ.at). Das Bashing nach der Zielpunkt-Pleite ist tatsächlich mehr als nur diskussionswürdig, gerade weil man wohl in Zweifel ziehen darf, dass die teils erratischen Regulierungen wirklich im gesamtwirtschaftlichen Interesse sind. Der Unternehmer Alexander Kaiser bringt es auf den Punkt (Die Presse): „Es braucht für kleine Unternehmen nicht irgendeine neue öffentliche Förderung, eine neue Ansprechstelle in der Kammer oder eine andere, staatliche Fürsorgemaßnahme. Alles, was sich der Philosoph Diogenes von Alexander dem Großen wünschte, als dieser anbot, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, war, er soll doch bitte aus der Sonne gehen. Ähnliches gilt für profane Unternehmer: Lasst uns in Ruhe arbeiten. Mehr ist es nicht.

Food for Thought – Free Lunch

Eine Schlagzeile, die man sich für die These mit den nicht eintretenden angekündigten Katastrophen merken sollte: „Turbulence predicted as ECB eases monetary policy and Fed tightens“ (Guardian).

Schlagzeilen, die man als Staatspräsident(in) wohl eher nicht lesen möchte:

Goldman Sachs nutzt die Technologie hinter Bitcoin für ein „virtual settlement currency“-Patent (FT). Mehr Bestätigung für die These der „feindlichen Übernahme“ von Bitcoin gibt es wohl kaum (NZZ.at).

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