REUTERS/Ralph Orlowski

Walkthrough

Die EZB will die Inflation „so schnell wie möglich“ anheizen

von Lukas Sustala / 20.11.2015

EZB-Präsident Mario Draghi spricht eine neue Zauberformel. Die US-Einhörner werden immer häufiger gesichtet. Fusionen mit bitterem Beigeschmack und die teure Grunderwerbsteuer. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Die EZB signalisiert, der Euro sinkt. Die Europäische Zentralbank hat am Freitag einmal mehr Signale dafür ausgesendet, dass sie im Dezember für die Finanzmärkte ein Weihnachtsgeschenk schnürt. Die Inflation ist den Währungshütern in Frankfurt zu niedrig und daran sollen Anleihenkäufe oder noch niedrigere, sprich noch negativere, Einlagenzinsen etwas ändern. „Wir werden das tun, was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Konferenz. Das klang so ähnlich wie die Zauberformel aus 2012, als er versprach, einen Zerfall des Euro zu verhindern und zu tun, „was auch immer nötig ist“. Das augenscheinliche Opfer der weiteren geldpolitischen Lockerung an den Finanzmärkten ist wohl der Euro, besser gesagt der Wechselkurs des Euro etwa gegenüber dem US-Dollar (NZZ.at). Denn die Zinsen in der Eurozone werden sehr viel länger sehr niedrig bleiben als etwa in den USA oder Großbritannien.

Es war Ben Bernanke, der Vorgänger der aktuellen Fed-Chefin Janet Yellen, der die US-Notenbank in die aktuelle Situation geführt hat (NZZ.at). Extrem niedrige Zinsen und eine extrem aufgeblähte Zentralbankbilanz. In einem Interview mit Quartz sprach Bernanke über Geldpolitik, Bitcoins, die politischen Parteien der USA und über Finanzmarktblasen: „I have no idea whether tech stocks are overvalued or not. There’s some people who think they are. On the other hand, it’s very difficult intrinsically to value such stocks because they are bets on the future. But be that as it may, my own sense would be that if the value of some unicorns [companies valued at $1 billion or more] went down that—while it would certainly matter to the investors and the entrepreneurs involved, as you say—it probably wouldn’t be a serious threat to the overall economy.“

Apropos Einhörner. Eine solche mythische Kreatur, ein Start-up mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar, wurde gerade durch die Finanzmarktmanege gejagt. Der Börsengang von Square, einem Fintech-Unternehmen, ging nicht sonderlich glatt über die Bühne, und auf den letzten Metern wäre fast die Luft ausgegangen. Der erste Handelstag für die Square-Aktien war zwar ein sehr positiver, man kann auch sagen, man hat den Börsengang hinter sich gebracht (NZZ). Aber die Diskussion um „Blase oder nicht Blase“ bei den Tech-Unternehmen ist in vollem Gange und NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel kommentiert ihn so: „Vielleicht ist die oft gestellte Frage nach der Bewertung der Start-ups gar nicht so wichtig. Sicherlich werden in den nächsten Jahren einige dieser Firmen zu einem lahmen Gaul mutieren. Das ist normal. Das ist Ausdruck von Wettbewerb und überdies Teil des Unternehmertums, das als Motor unsere Volkswirtschaften antreibt.

ams auf Expansionskurs. Die börsennotierte steirische ams kauft den belgischen Bildsensoren-Anbieter CMOSIS um 220 Millionen Euro. Die ams AG erwerbe 100 Prozent der Anteile der CMOSIS mit Sitz in Antwerpen. Verkäufer sind der Private Equity Investor TA Associates und das Management der Firma.

Fusion mit negativem Beigeschmack. Bei Übernahmen geht es aber nicht so wie bei ams immer um Wachstum. Manchmal geht es auch um Steuersparmodelle. Besonders beliebt in den USA ist die Steuersitzverlegung ins Ausland im Zuge einer Akquisition. Diese „Inversionen“ sind wegen des hohen Steuersatzes in den USA beliebt bei Unternehmen. Nun aber will Finanzminister Jack Lew der Praxis den Riegel vorschieben, und das könnte den aktuell laufenden Pharma-Deal, die Übernahme von Botox-Hersteller Allergan durch den US-Giganten Pfizer durcheinanderwirbeln (NZZ.at).

Fusionitis, vermessen. Niedrigen Zinsen und hohen Aktienkursen sei Dank gibt es heuer übrigens so viele Großübernahmen wie nie zuvor. Die Zahl der geplanten Zukäufe im Wert von mindestens fünf Milliarden Dollar kletterte bisher auf 128, wie Daten von Thomson Reuters ergeben. Insgesamt haben die Transaktionen ein Volumen von mehr als vier Billionen Dollar – das ist das zweithöchste Niveau, das jemals erreicht wurde. Nur im Jahr 2007 lag es höher. Was jetzt nicht das allerbeste Omen ist.

Grunderwerb, teurer. Das Finanzministerium hat letzte Details für die Grunderwerbssteuer bekannt gegeben, deren Erhöhung Teil der aktuellen Steuerreform war. Es wird in aller Regel teurer, kann die nüchterne Zusammenfassung heißen (Der Standard).

Free Lunch – Food for Thought

Eine Welt der Schulden: Die dritte Episode der Finanzkrise erreicht die Schwellenländer. 

Rebooting the Eurozone: Step 1 – Agreeing a Crisis narrative (VoxEU).

Star Wars VII stellt jetzt schon Rekorde auf (FAZ).

Nerdy, aber gut: Ökonom Tyler Cowen spricht mit Hedgefonds-Quant Cliff Asness (MarginalRevolution).

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