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Sitzung des geldpolitischen Ausschusses

Die Fed im Seitwärtsgang

von Martin Lanz / 27.04.2016

Fed-Chefin Janet Yellen wird zwar nicht müde zu betonen, dass jede Sitzung des geldpolitischen Ausschusses ein „Live Meeting“ sei. Damit meint sie, dass jederzeit an der Zinsschraube gedreht werden könnte. Würde aber die Fed nach der am Mittwoch zu Ende gehenden April-Sitzung eine Anpassung des Zielbandes für den Leitzins, das derzeit bei 0,25 bis 0,5 Prozent liegt, verkünden, käme das einer großen Überraschung gleich.

Im Fahrplan

Seit der März-Sitzung hat sich an den Aussichten für die US-Wirtschaft nicht viel geändert. Die jüngsten makroökonomischen Daten und Entwicklungen an den Finanzmärkten sprechen kaum für eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt. Das höchste der Gefühle wäre, wenn die April-Sitzung einigermaßen deutliche Signale bezüglich der Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes im Juni liefern würde.

Die Notenbanker stehen allerdings weder in der einen noch in der anderen Richtung unter Druck. Aus ihren März-Prognosen war hervorgegangen, dass sie im Mittel für den weiteren Jahresverlauf von zwei Zinsschritten von je 25 Basispunkten ausgehen. Das Zielband käme damit per Ende des Jahres auf 0,75 bis 1 Prozent zu liegen. Würde der erste dieser Schritte im Juni erfolgen, wäre man im Fahrplan.

Ein Signal bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juni könnte über eine explizite Risikobeurteilung erfolgen, etwa indem der Ausschuss in seinem Communiqué die Risiken für die US-Wirtschaft als ausgeglichen qualifizieren würde. Wegen hoher Marktvolatilität und enttäuschender Konjunkturdaten zu Beginn des Jahres hatte der Ausschuss an der Januar- und der März-Sitzung darauf verzichtet, eine Risikobeurteilung abzugeben.

Weiterhin allein auf weiter Flur steht Esther George für eine aktivere Normalisierung der US-Geldpolitik ein. Die Präsidentin der Kansas-City-Fed hatte bereits im März als Einzige für eine Erhöhung des Zielbandes auf 0,5 bis 0,75 Prozent gestimmt. Sie dürfte an ihrer Haltung, die Leitzinsen lieber frühzeitig und stetig als zu spät und schockartig anzupassen, festhalten und erneut als Abweichlerin im Communiqué auftauchen.

Für eine weiterhin abwartende Haltung des Ausschusses spricht die Entwicklung des US-Bruttoinlandprodukts (BIP) im ersten Quartal des Jahres. Die erste offizielle Schätzung der US-Behörden wird zwar erst am Donnerstag veröffentlicht. Aber vorlaufende Indikatoren und sogenannte Echtzeit-Schätzungen signalisieren ein mageres Wirtschaftswachstum. Immerhin sorgt der robuste Arbeitsmarkt dafür, dass die Nachfrage einigermaßen stabil bleibt.

Die verhaltene Lohnentwicklung verhindert aber einen stärkeren Wachstumsimpuls und vermag auch die Konsumentenpreise nicht anzutreiben. Die Industrieaktivität leidet weiterhin unter dem relativ starken Dollar und der schwachen Auslandnachfrage. Sie befindet sich seit einiger Zeit im Seitwärtsgang, die Kapazitätsauslastung liegt derweil weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Dienstleistungssektor schafft zwar viele Stellen; die Produktivitätsentwicklung ist aber zu mager, um ein stärkeres Lohnwachstum zu rechtfertigen, selbst wenn annähernd Vollbeschäftigung herrscht.

Geschwister im Streit

Hitziger als die US-Wirtschaft ist derzeit die Diskussion innerhalb des Fed-Systems um BIP-Echtzeit-Schätzungen. Vor kurzem hat die New-York-Fed begonnen, eine eigene Schätzung zu publizieren. Sie macht damit der Atlanta-Fed Konkurrenz, die solche Schätzungen bereits seit Mitte 2014 veröffentlicht. Während die jüngste New Yorker Schätzung ein annualisiertes Wachstum von 0,8 Prozent im ersten Quartal anzeigt, prognostiziert Atlanta eines von 0,4 Prozent. Am Donnerstag wird man wissen, wer recht hat.

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