Die Fesseln für die EZB sitzen locker

von Thomas Fuster / 13.03.2015

Dass sich die Europäische Zentralbank bei ihrem Ankaufprogramm zu enge Grenzen gesetzt hat, ist nicht richtig. Ein Reflex von NZZ-Wirtschaftsredakteur Thomas Fuster.

Seit Anfang dieser Woche läuft das Programm der Europäischen Zentralbank zum Erwerb von Staatsanleihen aus der Euro-Zone. Zwar ist es nach wenigen Tagen noch viel zu früh, um bereits Mutmassungen über die Erreichung der offiziellen Ziele anzustellen. Am Markt hat der Start des Quantitative Easing (QE) aber schon deutliche Spuren hinterlassen, etwa nach Maßgabe der auf Rekordtiefs gesunkenen Anleiherenditen südeuropäischer Länder oder des Sinkflugs des Euro.

Die bisherigen Kaufvolumina weisen zudem darauf hin, dass die Vorgabe, monatlich Anleihen im Wert von 60 Mrd. Euro zu erwerben, durchaus realisierbar sein könnte. Dennoch gibt es Stimmen, die sich überzeugt zeigen, dass das Programm an seine Grenzen stoßen wird, bevor das Ziel einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent erreicht sein wird.

Die Grenzen der EZB

Verwiesen wird dabei auf die diversen Restriktionen des QEQuantitative Easing, oder die auf deutsch quantitative Lockerung, bezeichnet die milliardenschweren Anleihenkäufe durch eine Zentralbank. europäischer Prägung. Eine dieser Einschränkungen besagt, dass nicht mehr als 33 Prozent der Papiere eines einzelnen Schuldners erworben werden dürfen.

Doch wie einschneidend ist diese Bestimmung wirklich? Das unabhängige Forschungsinstitut Capital Economics hat Schätzungen angestellt, basierend auf dem Bestand potenzieller Papiere mit Laufzeiten von 2 bis 30 Jahren. Es zeigt sich, dass die 33-Prozent-Vorgabe bis zum Ende des Kaufprogramms im September 2016 kaum eine einschränkende Wirkung haben dürfte.

Sollte das Programm jedoch verlängert werden, weil das Inflationsziel noch nicht erreicht ist, könnte sich das ändern. Am schnellsten an Grenzen stoßen dürfte man dann in Portugal und Deutschland, wo gegen Anfang 2017 ein Überschreiten der 33-Prozent-Marke erwartet würde. Das hat in Deutschland nicht zuletzt damit zu tun, dass vergleichsweise wenig Neuemissionen geplant sind, weshalb sich die Summe der vom Euro-System neu aufzukaufenden Papiere kaum erhöht. Ganz anders sieht die Lage etwa in Italien aus, wo Capital Economics keine Erreichung des Limits vor Ende 2019 erwartet. Von engen Fesseln kann in diesem Fall keine Rede sein.