Die Geldwoche: Geisterfahrer mit billigem Sprit

von Lukas Sustala / 15.12.2014

Die Woche wird eine Bestandsaufnahme für die größte Wette an den Finanzmärkten bringen und den Puls so manchen Euro-Politikers zum Rasen. Die Trennlinien zwischen Siegern und Verlierern des jüngsten Öl-Schocks werden zudem mit jedem weiteren Preissturz tiefer. Ein erster Wochenausblick.

Geldpolitische Geisterfahrt. Die USA scheinen derzeit in einem konjunkturellen Paralleluniversum zu weilen. Während die Industriestaaten Europas und Japan damit beschäftigt sind, Konjunkturpakete zu schnüren und die Geldpolitik noch mehr zu lockern, könnte die US-Notenbank diese Woche einen wichtigen Schwenk zu steigenden Zinsen vollführen. Am Mittwochabend wird die Notenbank-Chefin Janet Yellen den Kurs der Fed verkünden und dabei wohl einen wesentlichen Satz (dass Nullzinsen für eine „considerable time“ nötig sind) aus ihrem Kommuniqué streichen.

Ablesbar sind die unterschiedlichen Richtungen der Notenbanken an den Devisenmärkten. Hier ist der US-Dollar schon seit Monaten gefragt und wertet auf. Investoren sind dabei durchaus all-in gegangen. Nicht nur der Dollar steigt, der US-Aktienmarkt markiert auch neue Höchststände zu hohen Bewertungen, ein Zeichen für Optimismus unter Investoren. Auch in diesem Jahr liegt der US-Leitindex S&P 500 als Barometer für den Aktienmarkt deutlich vor dem Stoxx 600, und der Dollar-Index als Währungsmaßstab hat gegen die wichtigsten US-Handelspartner kräftig aufgewertet.

USDollarAktien
USDollarAktien

Griechenland + Wahlen + Euro = Krise². Europas Krisenstaat schaffte es diese Woche mit dieser Formel auf die Titelseite des Economist. Am 17. Dezember findet der erste Wahlgang für die vorgezogene Präsidentenwahl statt. Bis zum dritten Wahlgang Anfang Jänner wird die Nervosität der Märkte wohl hoch bleiben, denn jedes Zeichen für oder gegen die amtierende Regierung wird auch als möglicher Sargnagel für die griechische Euro-Mitgliedschaft gewertet werden.

GriechenlandIndex
GriechenlandIndex

Übelkeit in der Öl-Achterbahn? Es ist ein Weihnachtsabverkauf der besonderen Art. Vor genau zehn Wochen war Öl an den Weltmärkten noch um 30 Dollar je Fass mehr wert. In Medienberichten und Researchpapieren von Investmentbanken werden bereits noch deutlich geringere Preise genannt.

Brent
Brent

Was für die Länder, die überwiegend Öl und andere Energieträger importieren, einem Weihnachtsgeschenk gleichkommt, stammt aus der Kasse der Staaten, die Energieträger exportieren. Daher dürften in den kommenden Wochen Länder wie Russland, Venezuela oder Nigeria einen weiteren Druck auf ihre Währungen erleben. Besonderes Augenmerk wird es dabei für die Entwicklung des russischen Rubels geben, denn das flächenmäßig größte Land der Erde leidet volkswirtschaftlich nicht nur unter der Verbilligung seines wichtigsten Exportguts, sondern auch an den westlichen Sanktionen. Der Rubel ist dabei stark unter Druck gekommen, obwohl die Zentralbank mit Währungsinterventionen und dem Verkauf eigener Dollarreserven gegensteuert.

RussischeWährungReserven
RussischeWährungReserven