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Die Inflation ist besorgniserregend niedrig? Nicht in Österreich.

Meinung / von Lukas Sustala / 19.01.2016

So mancher Wirtschaftsinteressierte hat sich nicht schlecht gewundert. Die APA berichtet, dass die Inflation in Österreich „besorgniserregend niedrig“ sei. Das hat der Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, bei der Pressekonferenz zur allgemeinen Teuerung den Journalisten in die Blöcke diktiert. Aus konjunktureller Sicht sei eine Inflationsrate von unter einem Prozent ein „besorgniserregendes Zeichen“.
Das ist schon bemerkenswert. Denn seit Jahren ist in Österreich eher das Gegenteil zu beklagen: eine deutlich höhere Inflation als in anderen Ländern. Dieser „Aufschlag“ hat sich durch die ganze Krise hindurch hartnäckig gehalten und auch die jetzt vorgestellte InflationsrateFür den Ländervergleich wurde die Inflationsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex herangezogen. ist deutlich höher als anderswo.

Es waren vor allem die Mieten, die sich in Österreich seit 2007 stärker verteuert haben als anderswo in der Eurozone. In Summe ist das Preisniveau dabei im Vergleich deutlich gestiegen, auch zu Deutschland:

Aus Wettbewerbssicht ist die Teuerung in Österreich also sicher nicht besorgniserregend gering, sondern eher hoch, weil die preisliche Wettbewerbsfähigkeit über das lokale Preisniveau und Lohnabschlüsse in diesem Land beeinflusst wird.

It’s the Oil Price, stupid!

Zudem ist fraglich, ob die niedrige Inflationsrate nur Ausdruck einer konjunkturellen Krise ist. Rechnet man die volatilen Energiepreise aus den Daten heraus, ist die Teuerung gar nicht so niedrig. Die Kerninflation in Österreich betrug zuletzt 1,8 Prozent.

Ganz abgesehen davon, dass ein Land wie Japan mit niedrigen Inflationsraten in den vergangenen zwei Dekaden ganz gut leben konnte und Österreich nicht so hoch verschuldet ist, dass eine niedrige Inflationsrate automatisch in den gefürchteten Teufelskreis einer „Schuldendeflation“ wie in den 1930er Jahren führen muss.

Da es sich bei günstigeren Ölpreisen eher um gute als um schlechte Deflation handelt, ist „Besorgnis“ eigentlich nicht angebracht. Vielmehr darf man sich über eine Art Steuersenkung durch niedrigere Ölpreise in Österreich freuen. Die Besorgnis sollte eher der Frage gelten, wieso die Preise in Österreich so hartnäckig stärker gestiegen sind als im konjunkturell stärkeren Deutschland. Wer den privaten Konsum auch über die Steuerreform hinaus stützen möchte, sollte sich dieser Frage einmal annehmen: Sie könnte mit mehr Wettbewerb und weniger Gebührenerhöhungen beantwortet werden.