Uli Deck/dpa

Walkthrough

Die Inflation steigt, fällt, bleibt gleich

von Lukas Sustala / 17.10.2016

Am Ende geht es doch immer um Relationen. Das österreichische Budget mag solide sein, braucht dafür aber einen großen Teil der Wirtschaftsleistung. Die Inflation ist in Österreich zuletzt wieder gestiegen, aber historisch niedrig. Und österreichische Superreiche haben ihr Vermögen überproportional oft geerbt, im Vergleich etwa zu den kapitalistischen USA. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Nach einer kurzen Babypause meldet sich Lukas Sustala mit dem Walkthrough zurück. Sie können sich für den E-Mail-Newsletter anmelden. Er erscheint montags, mittwochs und freitags.

Budgets, am liebsten fiktiv. Heute, Montag ab 19 Uhr, diskutieren wir im #NZZClub noch einmal zum Budget 2017 (NZZ.at, Restplätze sind noch verfügbar). Bei Budgets handelt es sich angeblich ja um in Zahlen gegossene Politik. Was das aktuelle Budget über die heimische Innenpolitik verrät, ist ziemlich eindeutig. Die Regierung setzt eher fiktive Maßnahmen, als die echten Probleme anzupacken, denn konsolidiert wird nur relativ zu fiktiven Budgetpfaden (NZZ.at). In jedem Fall hat auch das gelobte „strukturelle Nulldefizit“ seinen Haken.

Teuerung: Darf’s ein bisserl mehr sein? Im September ist die Inflationsrate auf 0,9 Prozent im Jahresvergleich gestiegen (Statistik). Das ist historisch natürlich so gut wie nichts, wie ein Blick auf 200 Jahre Inflation in Österreich zeigt.

Allerdings zeichnet sich eine Trendwende ab. Denn es sind gerade die Energiepreise, die jetzt wieder anziehen. Der Basiseffekt der gesunkenen Ölpreise verpufft. Zudem bleibt Österreich ein Land mit verhältnismäßig hoher Inflation (Eurostat). Das mag gut für die Schuldner hierzulande sein, aber nicht unbedingt für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Und schon gar nicht für die klassischen Sparformen, die in Österreich beliebt sind – sie bringen nämlich aktuell noch weniger als die Teuerungsrate.


Aus unserem Finanz-Schwerpunkt am Montag: 

„Green Bonds“ sind einer der Trümpfe im Kampf gegen die Erderwärmung. Das Segment entwickelt sich mit rasender Geschwindigkeit und wird offenbar auch für Investoren immer interessanter (NZZ.at). Schließlich ist das Emissionsvolumen für dezidiert grüne Anleihen drastisch gestiegen.

Österreich, Land der Erben? Eine Studie zu Superreichen zeigt, dass Erben in Österreich deutlich wichtiger ist als anderswo. Die Frage ist: Braucht es deswegen mehr Umverteilung – oder mehr Wettbewerb? (NZZ.at)


Wie viele positive Nachrichten sind vom Arbeitsmarkt zu erwarten? Am Wochenende hat die APA – und ihr folgten wie immer die meisten tagesaktuellen Medien im Netz – eine durchaus positive Geschichte zum Arbeitsmarkt gebracht. „Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich“, titelte etwa der Kurier. Die Sache ist nur die: Die zitierte Prognose, die durchaus lesenswert und hier zu finden ist, geht weiter von einem Anstieg 2017 aus – nur wird dieser etwas geringer ausfallen, als noch vor einem Quartal gedacht. Daraus eine Jubelmeldung zu machen, wäre daher verfrüht. Denn es sind gerade die längeren Asylverfahren, die laut den AMS-Experten den Arbeitsmarkt kurzfristig entlasten werden. Langfristig sind sie aber wohl eher eine Integrationsbürde.

Der Verteilungskampf geht weiter. Der deutsche Ökonom und Autor des gleichnamigen Buches, Marcel Fratzscher, sprach am Donnerstag mit Bundeskanzler Christian Kern im Kreisky-Forum zum Thema „Wohlstand für Alle?“. Die Lektion: Chancengleichheit, nicht mehr Umverteilung, ist die Stärke einer sozialen Marktwirtschaft (NZZ.at).

Liquidität: Mehr ist nicht immer viel. Es klingt etwas paradox. Aber in einem Finanzmarkt, von dem es heißt, dass er mit Liquidität überflutet wird, ist die Liquidität mancherorts knapp (NZZ). Auf einigen zentralen Finanzmärkten stehen sich immer weniger Käufer und Verkäufer gegenüber, und das sorgt in Krisenfällen dann für besonders radikale Ausschläge – wie zuletzt wohl das Brexit-Votum der Briten gezeigt hat.

Inspirationen – Food for thought

Wie man mithilfe der Erkenntnisse der Ökonomie-Preisträger zu ausgezeichneten Verträgen kommt oder Gefängnisse privatisieren kann (NZZ.at).

Vielleicht ist es das Schlechteste für wirtschaftspolitische Vorschläge, wenn sie zuerst in Medien lanciert werden. Aber so oder so: Eine Körperschaftssteuersenkung ist hiermit zumindest im Gespräch. (Die Presse)