Andy Rain / EPA

Walkthrough

Die kommende Inflation und die Suche nach dem „neuen London“

von Lukas Sustala / 07.07.2016

Ab August soll die Inflation wieder steigen. Die Gewerbeordnungsreform erhitzt die Gemüter. Spanien und Portugal sind wegen ihrer Defizite im Visier der EU-Kommission. Und warum Wien – leider – nicht das Zeug zum neuen London hat. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Und jetzt kommt die Inflation. Die Oesterreichische Nationalbank rechnet im August mit der Trendwende bei der Teuerung. Der Effekt der drastisch verfallenen Ölpreise ebbt also langsam ab, und die Inflationsraten steigen wieder. Die OeNB rechnet bereits wieder mit 1,7 Prozent Inflation im nächsten und 1,9 Prozent im übernächsten Jahr. Was sich nicht ändern dürfte, ist die Tatsache, dass die Teuerung in Österreich schneller voranschreitet als in der Euro-Zone.

Leitl und die Gewerbeordnungsreform. Der Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zeigt, was er vom „New Deal“ der Regierung hält. Wenig, wenn es um die eigene Machtbasis geht (NZZ.at).

Wenn die Gewerbeordnung infrage gestellt wird, stelle ich auch die Staatsordnung infrage.

Das wäre ja höchst amüsant, wenn es nicht traurig wäre. Denn die Entrümpelung der Gewerbeordnung ist so etwas wie die Minimalreform, will man das Schlagwort vom Neustart in der Bundesregierung ernst nehmen. Aber vielleicht muss man sich einfach daran gewöhnen, dass die Sozialpartner auf beiden Seiten an einer Regierung etwas auszusetzen haben, die etwas zustande bekommen will. Man sollte sich als Steuerzahler und Staatsbürger eher sorgen, wenn die Tiraden der Sozialpartner über die Regierung nachlassen.

Erstmals drohen Sanktionen für Defizitverfehlungen. Zyniker behaupten ja immer wieder, die Regeln in der EU seien dafür da, um regelmäßig sanktionslos gebrochen zu werden. So verhält es sich gerade auch mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt, also den Grenzwerten für Defizit und Schuldenstand. NZZ-Korrespondent René Höltschi über die Premiere des bis dato zahnlosen Pakts (NZZ.at): Weil Spanien und Portugal die EU-Vorgaben zum Defizitabbau massiv verfehlen, könnte es erstmals in der Geschichte des Stabilitätspakts zu finanziellen Sanktionen kommen.

Kann Wien das nächste London werden? Wo entsteht das neue „globale Finanzzentrum“, jetzt, da Großbritannien mit dem Finanzplatz London den Weg aus der EU antritt? Die New York Times hat Wien weit oben auf der Anwärterliste. Wahrscheinlich zu Unrecht. Denn abseits einer guten Lebensqualität hakt es bei vielen Standortfragen noch ziemlich deutlich (NZZ.at). Wenn aber Großbritannien den Weg aus der EU tatsächlich antritt und die Hürden zum europäischen Kontinent so hoch werden, dass es ein Finanzzentrum innerhalb der Union braucht, dann geht es um Stücke eines großen Kuchens. Von dem etwa auch Luxemburg seinen Anteil abhaben will (NZZ.at). Und natürlich Frankfurt (Die Zeit).

Steuerwettbewerb post Brexit. Der Artikel 50 ist noch nicht einmal aktiviert, aber der mögliche Austritt Großbritanniens führt in einigen EU-Ländern schon zum fiskalpolitischen Facelift, um für die abwandernden Banker attraktiv zu sein – etwa in Frankreich (NZZ.at).

Inspirationen: Food for Thought

Der große Test für das Pfund (The Economist).

Ihre Probleme möchten wir haben. Deutschland, Österreich und der Arbeitsmarkt (Süddeutsche).

Vier Mitglieder des deutschen Sachverständigenrates fordern nach dem Brexit-Votum Reformen und eine europäische „Einheit in Vielfalt“ (Ökonomenstimme).

Ein tolles Feature. Trading: When the Pit stopped (FT).