Martin Rütschi / Keystone

Studie

Die Lasten für Scheidungskinder

von Hansueli Schöchli / 19.09.2016

Eine neue Studie aus Österreich untersucht, welche langfristigen Hypotheken Scheidungskinder tragen müssen.

Scheidungskinder haben im Durchschnitt grössere Probleme als Kinder von nicht geschiedenen Eltern. Das ist eine verbreitete Erkenntnis in der Forschungsliteratur, die nach diversen Kriterien wie etwa Bildungserfolg, Arbeitsmarkterfolg und Familienverhältnissen die Kinderentwicklung untersucht hat. Gängige Erklärungen für solche Zusammenhänge reichen von Zeit- und Finanzproblemen geschiedener Eltern bis zum emotionalen Stress für die Kinder. Weit schwieriger ist aber die Frage, ob hinter den gemessenen statistischen Zusammenhängen tatsächlich auch ein ursächlicher Zusammenhang steckt – ob also eine Scheidung für sich alleine eine nachhaltige Hypothek für die betroffenen Kinder darstellt. Möglich wäre auch, dass Drittfaktoren den gemessenen Zusammenhang erklären. Gibt es zum Beispiel überdurchschnittlich viele Scheidungen in bildungsfernen Haushalten, würde man einen unterdurchschnittlichen Bildungserfolg von Kindern solcher Haushalte erwarten – unabhängig davon, ob die Eltern geschieden sind oder nicht.

Drei Ökonomen aus Österreich haben nun versucht, aufgrund der Daten von knapp 360 000 Kindern und ihren Eltern den Effekt von Scheidungen herauszuschälen. Knapp 14 Prozent dieser Kinder waren von einer Scheidung vor ihrem 18. Altersjahr betroffen. Die Studienmethode der Forscher ist nicht wasserdicht (ein schlüssiger Beweis ist kaum machbar), doch sie mag Hinweise liefern. Das Fazit der Analyse: Gemessen an der Entwicklung der Kinder bis zu ihrem 25. Lebensjahr sind Scheidungen in der Tat eine gewichtige Hypothek. Die betroffenen Kinder gingen deutlich seltener an die Universität (21% gegenüber 28%), sie waren öfter arbeitslos (Differenz über 3 Prozentpunkte), und sie arbeiteten häufiger an schlecht bezahlten Stellen. Betroffene Mädchen wurden zudem weit öfter schon als Teenager schwanger.

Erwähnenswert ist ein weiterer statistischer Befund, den die Autoren aus der Forschungsliteratur zitieren: Haben Väter viele Kolleginnen im ähnlichen Alter am Arbeitsplatz, steigt das Scheidungsrisiko. Denn Gelegenheit macht Diebe.