Geldanlage

Die nächste Dollar-Rally kommt bestimmt

von Christof Leisinger / 30.05.2016

Am Devisenmarkt droht die Wiederholung des Drehbuchs, das schon in den vergangenen Monaten für beachtliche Turbulenzen gesorgt hat.

Die Geldanlage ist knifflig geworden. Konnten Anleger früher auf Nummer sicher gehen und mit dem Kauf „langweiliger“ Obligationen nette Renditen ohne große Risiken erzielen, so haben die enormen Eingriffe der Zentralbanken in die Märkte das grundlegend verändert. Schließlich haben diese die Notierungen und Preise der meisten Vermögenswerte so stark verzerrt, dass sich ihr Wert mit traditionellen Maßstäben kaum noch erfassen lässt.

Dollar wieder im Blickpunkt

So gesehen verwundert kaum, dass die Stimmung der Anleger vergleichsweise schnell zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ schwankt. Glauben sie optimistisch sein zu können, greifen sie kurzerhand zu riskanten Anlageformen, weil das angesichts unglaublich tiefer Zinsen die einzige Möglichkeit geblieben ist, um noch gewisse Renditen zu erzielen.

Das hat in den vergangenen Wochen dazu beigetragen, dass sich die Rohstoffpreise, viele Aktien und auch Währungen rasant vom vorhergehenden Ausverkauf erholt haben – zu einem großen Teil wenigstens. Währungen wie der russische Rubel, der argentinische und kolumbianische Peso oder auch der brasilianische Real konnten in drei Monaten im Verhältnis zum Franken um bis zu 15 Prozent zulegen und sind auch im Verhältnis zum Euro erstarkt.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie weit dieser Prozess tragen kann. Schließlich waren die Preis- und Kursturbulenzen der vergangenen Monate einerseits durch Sorgen über die möglichen Folgen einer relativen Stärke des amerikanischen Dollars und die Möglichkeit ausgelöst worden, China könnte den Yuan schwächer werden lassen. Nun droht sich dieses Szenario zu wiederholen.

Tatsächlich sorgen die hohen Verbindlichkeiten chinesischer Unternehmen erneut für Schlagzeilen, der Yuan ist im Verhältnis zur amerikanischen Währung wieder in die Defensive geraten, und der Dollar selbst steht im Verdacht, demnächst stärker zu werden.

Die Erwartungen oder gar Befürchtungen lassen sich aus Äußerungen ableiten, die Mitglieder des amerikanischen Zentralbankrates wie John Williams, Esther George, Eric Rosengren, Jeffrey Lacker, Bill Dudley, Patrick Harker oder auch James Bullard machten. „Geballte Äußerungen“ dieser Art führten zuletzt zusammen mit der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Sitzung des zinsbestimmenden Gremiums zu einer Wahrscheinlichkeit von gut 30 Prozent, dass die amerikanische Zentralbank den Leitzins im kommenden Monat oder spätestens im Juli um weitere 25 Basispunkte auf dann 0,75 Prozent erhöhen wird.

Da die sogenannte Taylor-Regel zudem zeigt, dass der amerikanische Leitzins unter den jetzigen Rahmenbedingungen bei 3,3 Prozent liegen müsste. Da die Europäische Zentralbank geldpolitisch weiterhin sehr expansiv ist, sollte die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA größer werden. Genau das aber würde den Dollar stärken, korreliert dessen Kursentwicklung doch oft stark mit der Differenz der zweijährigen Realzinsen.

Der Real-Zins treibt den Kurs

Tatsächlich hat der Dollar-Index, der den Wert der amerikanischen Devise gegenüber den Haupthandelswährungen Euro, Yen, Pfund, Kanada-Dollar, schwedische Krone und Franken misst, seit Anfang Mai um gut drei Prozent zugelegt. Die Devisenexperten der Deutschen Bank jedenfalls rechnen damit, dass der Dollar aufgrund der Zinserwartungen künftig wieder zulegen wird. Mittelfristig sei mit zunehmenden Mittelflüssen in den Dollarraum zu rechnen, und die jüngste Erholung der Schwellenländerwährungen sei erfahrungsgemäß als Kontraindikator zu werten.

Die Währungsfachleute von Morgan Stanley sehen das ähnlich. Sie machen beim Blick auf die Industrieproduktion vieler Staaten Ermüdungserscheinungen aus, während die Nachfrage nach Dienstleistungen robust bleibe – vor allem auch in den USA. Das verführt sie dazu, Währungen produktions- und rohstofforientierter Staaten zu verkaufen und auf den Dollar zu setzen. Der Greenback werde von steigenden Real-Renditen profitieren, so ihre Logik.