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Zur Ökonomie des Christkindlmarktes

Gastkommentar / von Michael Böheim / 23.12.2015

In Wien vermischen sich Plan- und Marktwirtschaft auf dem Christkindlmarkt. Das ist suboptimal, kritisiert  Michael BöheimMichael Böheim ist Industrie- und Wettbewerbsökonom in Wien. . Einige Gedanken über die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums aus ökonomischer Sicht.

Wolfgang Rössler thematisiert in seinem Beitrag Ein SPÖ-Politiker organisiert den Christkindlmarkt. Warum eigentlich? treffend die politische Dimension der intransparenten Organisation des Christkindlmarkts am Wiener Rathausplatz. Was für die einen eine touristische Attraktion ist, ist für die anderen ein gutes Geschäft. Hier kommt die ökonomische Dimension der Kommerzialisierung von öffentlichen Gütern ins Spiel.

Man sollte aber Marktwirtschaft und Planwirtschaft nicht mischen, wie es die Wiener Stadtpolitik beim Christkindlmarkt tut.

Aus Sicht der Ökonomie handelt es sich bei den Christkindlmarkt-Standplätzen um knappe (öffentliche) Güter, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Grundsätzlich übernimmt in einer Marktwirtschaft der Preismechanismus die effiziente Allokation knapper Ressourcen. Die ökonomische Theorie beschränkt die Anwendung des Preismechanismus nicht nur auf private Güter, sondern erweitert den Anwendungsbereich auf öffentliche Güter. Auch für planwirtschaftliche Elemente der Rationierung bzw. Zuteilung kann es politische Argumente geben. Man sollte aber Marktwirtschaft und Planwirtschaft nicht mischen, wie es die Wiener Stadtpolitik beim Christkindlmarkt tut. Dann profitieren nur einige wenige mit der Politik gut vernetzte Insider, die in der Lage sind Gewinne zu Lasten der öffentlichen Hand zu privatisieren.

Ein Christkindl-„Markt“ …

Die marktwirtschaftliche Lösung als erste Variante bestünde in der Etablierung eines Auktionsmechanismus: Die Marktstände würden nach Ausschreibung an den Höchstbietenden versteigert. Bei der Ausschreibung sind alle Anforderungen an die Betreiber (Branchenmix, Öffnungszeiten etc.) klar zu definieren, damit sie die Interessenten bei ihren Geboten berücksichtigen können. Den Marktstandbetreiber trifft demgegenüber eine Betriebspflicht. Dieser marktwirtschaftliche Vergabemechanismus hat den Vorteil, dass die Konzessionen für unterschiedliche Arten von Marktständen verschiedene Preise erzielen werden. Ein Punschstand – eine legale Lizenz zum Gelddrucken außerhalb des europäischen Zentralbanksystems – wird aufgrund der hohen Kundenfrequenz einen (deutlich) höheren Preis bringen als ein weniger attraktiver Marktstand (Kunsthandwerk).

Der Auktionsmechanismus legt die Zahlungsbereitschaft des Konzessionswerbers offen und kann auf eine staatliche Preisfestsetzung für die Konzession verzichten. Die Auktion von Marktstandkonzessionen garantiert auch, dass „Verluststände“, die aufgrund der „Atmosphäre“ wichtig sind und positive externe Effekte für profitable Marktstände generieren, Betreiber fänden. Diesfalls käme jener Bieter zum Zug, der den Betrieb für die geringste staatliche Subvention sicherstellt. Der Erlös aus den Versteigerungen könnte für karitative und soziale Projekte zweckgewidmet werden. Die Monopolrente der Marktstandbetreiber könnte durch die Versteigerung abgeschöpft werden und der Allgemeinheit zugute kommen. Dieser Allokationsmechanismus ließe sich mutatis mutandismit den nötigen Abänderungen auf vielfältige Weise anwenden, so bspw. auch auf die Vergabe von Apothekenkonzessionen und Notariaten. Auch dort erlaubt eine ineffiziente staatliche Rationierung die Generierung von privaten Monopolgewinnen.

… oder die Entkommerzialisierung

Die zweite Variante wäre die vollständige Entkommerzialisierung des Christkindlmarkts. Bei dieser politischen Lösung sind ausschließlich Marktstände von karitativen Organisationen zugelassen. Deren Überschüsse müssten nachweislich – bei sonstigem Ausschluss im nächsten Jahr – für soziale Projekte verwendet werden. Hier würden die lukrierten Überschüsse der Betreiber von der Stadt direkt einem „guten Zweck“ zugeführt werden, private Monopolrenten würden erst gar nicht anfallen.

Beiden Alternativvorschlägen ist gemeinsam, dass nicht gut vernetzte Insider zulasten der öffentlichen Hand profitieren und die politische Einflussnahme im Vergleich zum herrschenden System mehr (Variante 1) oder weniger stark (Variante 2) zurückgedrängt würde. Genau deshalb wird aber vermutlich alles so bleiben, wie es war.