Andrey Rudakov/Bloomberg

Walkthrough

Die Ölflut als Konjunkturpaket

von Lukas Sustala / 14.12.2015

Billiges Öl belebt die österreichische Wirtschaft wohl noch stärker als die Steuerreform. Die Hypo-Abwicklungseinheit Heta könnte dem Bund noch einiges an Ungemach verursachen. Und diese Woche sind aller Augen auf die US-Notenbank gerichtet. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Gut, besser, billiges Öl. Der Ölpreisschock ist das Thema der vergangenen Handelstage. Das schwarze Gold ist in den vergangenen Handelstagen deutlich billiger geworden, innerhalb weniger Wochen rutschten die Preise sowohl für die Nordseemarke Brent als auch für die US-Sorte WTI deutlich ab. Am Montag ist das Fass WTI erstmals seit 2009 billiger als 35 Dollar je Fass gewesen. Erdgas in den USA war so günstig wie seit 2002 nicht mehr. Wenn man es auf den Liter herunterrechnet, kostet Rohöl weniger als Mineralwasser (NZZ.at).

Der kräftige Absturz ist ein Konjunkturimpuls sondergleichen für Nettoimporteure wie Österreich. Die Entlastung für die Konsumenten, die ähnlich wie eine Steuerreform wirkt, könnte dabei sogar größer ausfallen als bei der Steuerreform (NZZ.at). Die soll knapp fünf Milliarden Euro im Steuersystem umverteilen, gegen eine gewisse Gegenfinanzierung über Steuererhöhungen und Mehreinnahmen an anderer Stelle. Beim billigen Öl allerdings sind es nicht wir Steuerzahler selbst, die die eigene Einkommenssteuerentlastung finanzieren. Es sind Erdölexporteure und ‑unternehmen, die die Rechnung begleichen werden.

Von Aktien bis Zentralbank. Diese Woche wird wohl der erste Schritt des „sanften Entzugs“ in der Geldpolitik werden (Süddeutsche). Die US-Notenbank könnte diese Woche erstmals seit 2006 die Zinsen anheben. Zumindest gehen die meisten Ökonomen und Analysten mittlerweile fix von dem „Lift-off“ aus. Wichtiger dürfte die Frage werden, inwieweit die Fed den Leitzins auch in eine Art Steilflug bekommen wird. Denn das könnte die Finanzmärkte kräftig erschüttern. Apropos, wer sich schon auf die traditionelle „Jahresend-Rallye“ freut, also die steigenden Aktienkurse im Dezember, sollte den Text von NZZ-Finanzressortleiter Michael Rasch lesen (NZZ.at). Denn statistisch gilt wirklich der Dezember als bester Börsenmonat.


Credits: NZZ-Infografik

Einer hat immer das Bummerl – Heta-Edition. Zwischen Kärnten und Wien wird noch kräftig wegen der Heta/Hypo gestritten. Denn die Unterschrift unter dem Vertrag zwischen dem Land Kärnten und dem Finanzministerium über die Gewährung eines Kredits von 1,2 Milliarden Euro an das Land gibt es noch nicht. Dabei deutet sich schon an, dass der Bund im wirklichen Risikofall auf einigen Kosten sitzen bleiben wird. Bund und Land wollen den Investoren mit einem Abschlag die Schuldpapiere mit den Landeshaftungen abkaufen. Doch der Bund hat „für die Bezahlung von Ausgleichszahlungen an Inhaber von behafteten Schuldtiteln, die ein Angebot abgelehnt haben, Vorsorge zu treffen“, heißt es in der „Amtsvorlage“ zum Grundsatzabkommen zwischen Kärnten und dem Bund über den Schuldenrückkauf (Der Standard). Ob das Versprechen des Finanzministers, dass kein Euro Steuergeld mehr für die Heta fließt, zutrifft, ist also mehr als fraglich, wenn sich Investoren gegen den Abschlag wehren – und recht bekommen.

Seltsame Politik, Südafrika-Edition. Sie erinnern sich noch an die Meldung und das darauffolgende Chaos, dass Südafrikas Präsident Jacob Zuma seinen Finanzminister aus dem Amt geschmissen hat. Der Nachfolger hat sich überhaupt nur wenige Tage gehalten, und Südafrika bekommt seinen dritten Finanzminister in nur einer Woche: Pravin Gordhan (Reuters).

Milliardär wieder aufgetaucht. Der chinesische Milliardär und Chef der Fosun Gruppe Guo Guangchang ist offenbar wieder aufgetaucht (NZZ). Dennoch gibt es in China erst wenige Informationen zum unter Korruptionsverdacht stehenden Firmenchef von Fosun. Guo habe am Montag an einer Firmenveranstaltung in Shanghai teilgenommen, sagten zwei Anwesende der Nachrichtenagentur Reuters. Der Milliardär habe weder Auskunft über seinen zwischenzeitlichen Verbleib gegeben noch Bezug auf eine Fosun-Erklärung vom Sonntag genommen, wonach er die chinesischen Behörden bei Ermittlungen unterstützte.

Free Lunch – Food for Thought

Erste-Group-CEO Andreas Treichl im Interview: „Jeder, der ein Finanzbuch aufschlägt, liest spätestens auf Seite zwei: Nimm nie einen Fremdwährungskredit auf, wenn du keine Fremdwährungseinnahmen hast.“ In Österreich haben viele dieses Finanzbuch viel zu spät aufgeschlagen (Die Presse).

Alibaba wandelt in vielerlei Hinsicht auf Amazons Spuren und zahlte nun 242 Millionen Euro für die South China Morning Post (NYT).

Was steht hinter dem jüngsten Anstieg der Beschäftigung in der Eurozone? (EZB)

Kann die EU mit der Herausforderung der Migration fertig werden? (PIIE)

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