Die Österreicher sind reich, aber schlecht auf Entwertung vorbereitet

von Lukas Sustala / 28.04.2015

Reich sind sie ja, die Österreicher und Österreicherinnen. Das heimische Geldvermögen ist im vergangenen Jahr auf 572 Milliarden Euro gestiegen. Umgelegt auf alle von Greis bis Kleinkind ein statistisches Durchschnittsvermögen von ungefähr 65.000 Euro. Nun ist diese Zahl angesichts der ungleichen Verteilung beim Geldvermögen wenig aussagekräftig, aber sie zeigt doch: Österreich ist nicht arm.

Aber es ist zukunftsarm, legen die Daten nahe. Denn ein erheblicher Teil des Angesparten hängt in sehr risikoarmen, schlecht bis gar nicht verzinsten Sparbüchern, kostenintensiven Lebensversicherungen oder festverzinsten Wertpapieren ohne viel Aussicht auf Rendite. Vermeintlich riskante aber langfristig orientierte Anlageformen wie Aktien oder gestreute Fonds und andere Investmentzertifikate machen hingegen einen relativ kleinen Anteil aus. Auf einen Blick zeigt die folgende Grafik, dass ein erheblicher Teil des Geldvermögens eher in Zinspapiere und andere Anlageformen investiert ist, die stark unter dem niedrigen Zinsniveau leiden (in Orange). Relativ wenig Vermögen ist hingegen in Anlageklassen investiert, die eher an realen Werten wie Unternehmensbeteiligungen hängen, wie Aktien oder Aktienfonds (in Blau)*:

Die genaue Abgrenzung zwischen den verschiedenen Anlageformen und wie sie unter dem Zinsumfeld leiden ist zwar oft nicht so leicht. Aber ein Blick in die Geldvermögensstatistik zeigt in jedem Fall: Die heimischen Sparer sind extrem schlecht vorbereitet. Die Inflation, so niedrig sie auch immer sein mag, frisst angesichts der hohen Anteil der Sparbücher und Zinspapiere in den kommenden Jahren mit Sicherheit wieder einiges an Wohlstand auf. Auf den Sparbüchern sind die Zinsen mittlerweile auch vor Kosten und Steuern mit der Lupe zu suchen. Selbes gilt für Versicherungen, die ja vom Regulator in besonders sichere (und niedrig verzinste) Anleihen gezwungen werden. Doch die staatlich geförderte Risikoscheu trägt ihres dazu bei, dass viele Sparer einen sicheren langfristigen Verlust an Kaufkraft hinnehmen.

*) Die getroffene Unterscheidung unterschätzt wahrscheinlich sogar das Problem, weil etwa Investmentzertifikate sehr stark auch in Zinspapiere investieren.