Die Schocktherapie bringt Österreich wohl noch tiefere und negative Zinsen

von Lukas Sustala / 23.01.2015

Die OeNB wird künftig drei Milliarden Euro pro Monat in Staatsschulden stecken. Das ist mehr als die Republik an neuen Schulden aufnimmt.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny ist derzeit damit beschäftigt, seine Position zu den 1.140 Milliarden Euro Expansion der EZB zu erläutern. So verteidigte er etwa das Programm, weil es die Märkte überrascht und damit die Deflation bekämpfe. Gleichzeitig war er dagegen, weil nun „das letzte Pulver verschossen ist“. Das massive Lockerungsprogramm komme einfach zu früh.

Im gestrigen ZIB2-Interview hat er aber auch inhaltlich etwas Interessantes gesagt. Die OeNB wird künftig drei Milliarden Euro pro Monat an Anleihen kaufen („überwiegend  österreichische Staatsanleihen“). Um eine Perspektive zu bekommen: Das ist deutlich mehr, als die österreichische Bundesfinanzierungsagentur 2015 an neuen Schulden über die Märkte finanzieren wird (laut aktueller Finanzierungsstrategie werden 2015 rund 15-19 Milliarden Euro an Staatsanleihen begeben, also 1,25 bis 1,6 Mrd. pro Monat).

Die OeNB könnte daher die neuen Schulden der Republik mehr oder minder 1:1 auf die eigenen Bücher nehmen und hätte trotzdem noch mehr als eine Milliarde pro Monat übrig. Die Zinsen werden daher wohl weiter fallen. Theoretisch sollte QE mittelfristig ja zu steigenden Zinsen führen, weil das Wachstum angekurbelt werden soll, aber bei der Größe des europäischen Programms halten die meisten Analysten derzeit fallende Zinsen für wahrscheinlicher:

Es zeichnet sich zudem ab, dass die OeNB wohl nominale Verluste davontragen wird. Bereits heute bringen kurzlaufende Staatsanleihen negative Zinsen. Das wird sich bei einem Ankaufprogramm, das in 18 Monaten rund 50 Milliarden Euro in heimische Staatsanleihen pumpen wird, nicht ändern: