REUTERS/Smithsonian Channel/Handout via Reuters

Walkthrough

Die Schweine regieren den Ölmarkt

von Lukas Sustala / 10.11.2015

Die IEA warnt: Die Ölpreise werden niedrig bleiben, und das könnte ausgerechnet dazu führen, dass sie bald wieder nach oben schnalzen. Schuld ist der SchweinezyklusDer am Schweinemarkt oft beobachtete Zyklus sieht so aus: Bei hohen Marktpreisen kommt es zu verstärkten Investitionen, die wegen der Aufzuchtzeit erst mit Verzögerung zu mehr Angebot von Schweinefleisch führen, was den Preis verfallen lässt. Daraufhin wird die Produktion gedrosselt, was wieder erst zeitverzögert einen Effekt auf das Angebot hat, bis es zu einem starken Preisanstieg kommt. Gerade bei Produkten mit langer Investitionszeit kann es daher zu solchen Zyklen kommen. . Die Anklagepunkte im Prozess gegen das Bargeld sind kaum durchargumentiert. Eine Pleite mit anschließendem Systemkollaps wie bei Lehman Brothers soll sich nie wieder wiederholen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld. 

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Energiemärkte mitten im Schweinezyklus. Der Schweinezyklus bei den wichtigsten Rohstoffen geht in die nächste Runde. So lässt sich die Lage auf dem Energiemarkt wohl zusammenfassen. Nach dem heftigen Fall der Rohölpreise rechnet die Internationale Energieagentur in ihrem Energieausblick 2015 mit weiterhin sehr niedrigen Preisen. Erst 2020 soll ein Fass Rohöl wieder 80 Dollar je Fass kosten.

Dass der Preis länger niedrig bleibt, könnte aber unangenehme Nebenwirkungen haben, warnt die IEA. Denn da Unternehmen ihre Investitionen massiv kürzen, weil sich viele neue Energieprojekte bei derart niedrigen Preisen nicht rechnen, würde sich die Abhängigkeit der westlichen Industrieländer von Öl aus Krisenländern in Nahost erhöhen. Mittelfristig könnten also niedrige Preise heute zu schnell steigenden Preisen in einigen Jahren führen. Vom Boom vor 2008 müssten sich die Energiekonzerne jedenfalls verabschieden, warnt der Chef der IEA, Fatih Birol, mit Verweis auf die schwache chinesische Wachstumsdynamik.

Das Ende des Nachfragebooms wird die Länder des Nahen Ostens treffen. Saudi-Arabien etwa behält sich nach Informationen der Financial Times vor, die Staatsverschuldung auf bis zu 50 Prozent der Wirtschaftsleistung innerhalb von fünf Jahren anzuheben. Damit soll verhindert werden, dass sich der Ölpreisschock eins zu eins in niedrigeren Sozialausgaben niederschlägt.

Bargeld auf der Anklagebank. In Zürich ist es zu einem Prozess gekommen. Angeklagt war nicht mehr und nicht weniger als die „geprägte Freiheit“, das Bargeld (NZZ.at). Ökonomisch ineffizient, Nährboden für Kriminalität und Verhinderer erfolgreicher Geldpolitik lauten die oft genannten Anklagepunkte gegen Cash. Doch die Ankläger stützen sich meist nur auf Indizienbeweise, verkennen regionale Unterschiede im Bargeldkonsum und vergessen, dass es immer noch große Teile der Bevölkerung gibt, die under-banked sind. Ein besonderer Dorn im Auge ist die immer höhere Zahl der 500-Euro-Scheine, die in Umlauf sind.

Nie mehr Lehman. Sie halten das globale Finanzsystem zusammen und sind damit die größte Gefahr für die Stabilität. Die größten globalen Banken müssen künftig 16 Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva (RWA) als Verlustpolster halten. Diese TLAC („total loss-absorbing capacity“) soll verhindern, dass es künftig wieder zu einer Krise wie bei Lehman Brothers kommt. NZZ-Redakteur Jürg Müller zeigt, dass sich die Aufseher zum sicheren Finanzsystem auch noch ein höheres Wirtschaftswachstum erhoffen (NZZ.at).

Bawag sieht sich auf Expansionskurs. An sich hat Bawag-Chef Byron Haynes heute die Quartalszahlen seines Hauses präsentiert. 320 Millionen Euro Nettogewinn stehen unterm Strich. Doch wirklich interessant sind aktuell vor allem die Verhandlungen um die Übernahme des Bank-Austria-Privatkundengeschäfts, die aktuell von den Bawag-Eigentümern mit der UniCredit geführt werden. Haynes wollte „keinen Kommentar zu Marktgerüchten“ geben. Aber im Quartalsbericht finden sich dann doch ein paar vereinzelte Hinweise. Die Bawag sei mit ausreichend Geld ausgestattet, um Zukäufe zu stemmen, sowohl inter- als auch national. Als Beispiel eines erfolgreichen Zukaufs nannte Haynes die Anfang Oktober vollzogene „strategische Übernahme“ der früheren Volksbanken Leasing von der ÖVAG-Bad-Bank Immigon. Nun würde eine Reihe weiterer Möglichkeiten geprüft.

Der Kampf um die Handgelenke ist eröffnet. Apple hat mit der iWatch vorgelegt, und nun steigen auch etablierte Uhrenhersteller wie Tag Heuer in den Markt um Wearables ein (NZZ.at). Welches Potenzial der Markt hat, hat NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel analysiert.

Free Lunch – Food for Thought

Die ultimative Leseliste zu Finanzmarktblasen und Panikattacken (Noahpinion).

Die Diskriminierung bei den Löhnen. Ein Vergleich von Äpfeln und Birnen (Ökonomenstimme).

Zwei Lesetipps zum Thema Ungleichheit. Erstens deuten die boomenden Kunstmärkte auf kaufwütige Milliardäre hin. 

Zweitens lässt sich erahnen, was die extrem lockere Geldpolitik mit der Vermögensungleichheit macht.

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