Chris Potter

Default nicht mehr ausgeschlossen

Die Uhr tickt für Valeant

von Christiane Hanna Henkel / 16.03.2016

Der Pharmakonzern Valeant hat am Dienstag davor gewarnt, dass der Jahresabschluss wohl nicht fristgemäß eingereicht werden kann. Das könnte einen Default auslösen. Die Aktionäre nahmen Reißaus.

Eigentlich hätte Valeant kaum noch tiefer sinken können. Der Pharmakonzern steht bereits seit letztem Jahr wegen seiner Politik drastischer Preiserhöhungen in der politischen Schusslinie, das Justizministerium hat Untersuchungen der Preis- und Distributionspolitik Valeants eingeleitet, und auch die Börsenaufsicht ist dem Konzern auf den Fersen. Oder in Kurzform: Das die Branche durchrüttelnde Geschäftsmodell von Valeant – schuldenfinanzierter Aufkauf von Pharmaunternehmen mit anschließenden Kostenkürzungen und starken Preiserhöhungen – steht ebenso auf dem Prüfstand wie die Legalität seiner Geschäftspraktiken.

Doch am Dienstag brach der Aktienkurs abermals ein, und zwar um über 50 Prozent. Damit ist der Börsenwert vom Hoch von 90 Milliarden Dollar im August um 87 Prozent auf nur noch 12 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Das Unternehmen hatte am Dienstag um einige Wochen verspätet unerwartet schlechte Quartalszahlen veröffentlicht. Für den Kurssturz aber sorgte die Aussicht, dass Valeant möglicherweise den Jahresabschluss nicht fristgerecht bis zum 30. März bei der Börsenaufsicht wird einreichen können; das Aus der Versandapotheke Philidor, ein wichtiger Distributionskanal, macht eine Überarbeitung der letzten Quartalsabschlüsse notwendig. Der Fristenbruch könnte einen Default auf einen Teil der Verbindlichkeiten von 30 Milliarden Dollar auslösen. Damit rückte am Dienstag erstmals ein Konkurs oder eine Zerschlagung des Konzerns ins Spektrum der Zukunftsszenarien.