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Raumfahrt

Die Unternehmer erobern das All

Meinung / von Lukas Sustala / 22.12.2015

Mit SpaceX hat ein privates Raumfahrtunternehmen erstmals seine Rakete wieder sicher auf dem Boden gelandet, nachdem zuvor elf Satelliten in den Orbit geschickt worden waren. Der Milliardär Elon Musk beweist damit, dass private Anbieter nicht nur günstig, sondern auch innovativ sein können.

Es war ein großer Schritt für die Raumfahrt. SpaceX, ein privates Raumfahrtunternehmen, hat erstmals erfolgreich seine Falcon-9-Trägerrakete (einen Booster) wieder sicher auf der Erde gelandet.

Raketen, die wieder landen können, sind für die moderne Raumfahrt so etwas wie der heilige Gral. Wenn man nicht jedes Mal eine neue Rakete bauen muss, um etwa Satelliten in den Orbit zu befördern, reduziert das die Kosten dramatisch. Und es sind diese Kostenvorteile, die Geschäftsmodelle wie „All-Tourismus“ überhaupt erst denkbar machen. Ganz zu schweigen von den Einsparungen bei der Instandhaltung der Raumstation ISS, die mit wiederverwendbaren Raketen deutlich günstiger versorgt werden kann.

Die neue Innovation der wiederverwendbaren Raketen ist dabei auf gut neudeutsch ein „Game Changer“, weil es die Ökonomie des Abenteuers All auf neue Beine stellt. Das alte „Spiel“ war dabei ein sehr teures: In einem Text schreiben drei Analysten des Colony Fund, dass man sich über die hohen Kosten der Raumfahrt nicht zu wundern brauche, denn:

1. There shall be no more than one flight per month
2. The airplane shall be thrown away after each flight
3. The entire cost of the international airports at both ends of the flights shall be covered by the freight charges.

Wenn der zweite Punkt nun wegfällt und die Einwegrakete Vergangenheit ist, ist zumindest eine Beschränkung weggefallen. Tatsächlich hat Ende November Jeff Bezos mit seiner kleinen Rakete New Shepard erstmals erfolgreich eine Landung vollzogen, doch bei der relativ kleinen Rakete ist das Geschäftsmodell stark auf „Tourismus“ getrimmt. Bei der Falcon-9 von SpaceX geht es stärker um Transport. Für Elon Musk geht es um nicht weniger, als mit dieser grundlegenden Technologie die Bevölkerung des Mars zu ermöglichen.

Privatisierung des Weltraums

Es ist noch gar nicht so lange her, dass es im Netz Häme und Panik gab, als die USA unter Präsident Barack Obama 2010 angekündigt hatten, dass sie das Raumfahrtprogramm teilweise privatisieren wollen. Zum damaligen Zeitpunkt ging es freilich auch um den Budgetengpass in den öffentlichen Kassen. Die ersten Misserfolge der privaten Raumfahrtanbieter wurden dann mit der erwartbaren Schadenfreude begleitet, dass die Investoren – etwa die Milliardäre Elon Musk (Tesla) oder Jeff Bezos (Amazon) – mit ihrem Gewinnstreben eben nicht ins All kommen werden. Nur sparen und „billig, billig, billig“ anbieten, funktioniere eben bei hochtechnischen Aufgaben wie der Raumfahrt nicht.


Credits: Reuters/Joe Skipper

Davon sollten sich die allgemein eher staatsgläubigen Weltraumbegeisterten in Europa ein wenig lösen. Wenn es so im im US-Fall Anreize für private Investitionen gibt und ambitionierte Gründer/Erfinder/Kapitalgeber, dann ist das „Abenteuer All“ eben kein öffentliches Gut, das nur der Staat zur Verfügung stellen kann und soll. Der Kapitalismus war schon bei der riskanten Erkundung unbekannter Orte per Schiff wichtige – finanzielle – Voraussetzung für die Abenteuer der Entdecker. Als holländische Händler Schiffe dorthin schickten, „wo der Pfeffer wächst“ – und das war Indonesien – wurden Aktien ausgegeben, um das Risiko der Unternehmungen zu streuen.

Es mag zwar stimmen, dass nur die erste Rakete von SpaceX gelandet ist und die Technologie – wie die gescheiterten Versuche zuvor zeigten – noch perfektioniert werden muss. Aber der Erfolg zeigt, dass selbst in der Raumfahrt, mit ihren enormen Kostenstrukturen, private Anbieter durchaus ihren Platz haben können, um Innovationen voranzutreiben.