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Konjunktur

Die US-Wirtschaft stolpert zu Jahresanfang erneut

von Martin Lanz / 29.04.2016

Zurückhaltende Unternehmen und ein schwacher Außenhandel haben sich als Wachstumsbremsen erwiesen. 

Die halbherzige Erholung der amerikanischen Wirtschaft setzt sich fort. Ähnlich wie in den Vorjahren hat sich im ersten Quartal das Wachstum verlangsamt. Annualisiert hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut der ersten Schätzung des US-Büros für Wirtschaftsanalyse um 0,5 Prozent zugelegt. Im Schlussquartal 2015 hatte das Wachstum 1,4 Prozent betragen.

Seit dem Ende der Rezession beträgt das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal des Jahres durchschnittlich nur etwa ein Drei-Viertel-Prozent. Danach legt es in den verbleibenden Quartalen jeweils um über 2,5 Prozent zu. Die von den Bundesökonomen angewandte Methode zur Saisonbereinigung der BIP-Schätzungen wird deshalb zuweilen in Frage gestellt; entsprechende Untersuchungen sind im Gang.

Neben diesem saisonalen Aspekt erfahren die BIP-Schätzungen nachträglich jeweils mehrere Revisionen. So wurde etwa die erste Schätzung für das erste Quartal 2015 zuerst von 0,2 auf –0,7 Prozent, dann auf –0,2 Prozent und schließlich auf 0,6 Prozent korrigiert. All dies bedeutet, dass einzelne Quartalsschätzungen nicht überbewertet werden sollten.

Dass der Konsum von Dienstleistungen im ersten Quartal das Wirtschaftswachstum getrieben hat, scheint aber unumstößlich. Die Aufwendungen für Wohnen sowie Versorgungs- und Gesundheitsdienstleistungen haben dabei den stärksten Wachstumsbeitrag geleistet. Die privaten Ausgaben für lang- wie kurzlebige Güter waren dagegen mehr oder weniger stabil.

Ein positiver Impuls kam auch vom Staat, und zwar nicht von der Bundesebene, sondern von den Gliedstaaten und der lokalen Ebene. Zum Wachstum im ersten Quartal beigetragen haben schließlich die Wohnbauinvestitionen. Negativ zu Buche geschlagen haben hingegen die Anlageinvestitionen, der Lageraufbau und die Nettoexporte.

Die jüngste BIP-Erhebung bestätigt damit nicht nur saisonale Muster, sondern auch die Struktur des US-Wirtschaftswachstums der jüngeren Vergangenheit: Die amerikanischen Unternehmen halten sich zurück mit Investitionen, und der Außenhandel bremst, während die Konsumenten die Wirtschaftsaktivität einigermaßen stützen.

Allerdings war der Wachstumsbeitrag der Nachfrage nach langlebigen Gütern im ersten Quartal erstmals seit langem negativ, wobei Motorfahrzeuge und -teile den größten Rückschlag erlitten. Da die Konsumausgaben mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftsaktivität ausmachen, wirkt sich eine größere Zurückhaltung – möglicherweise wegen der weiterhin verhaltenen Lohnentwicklung – umgehend negativ auf das Wachstum aus. Solange die US-Wirtschaft neue Stellen schafft, ist aber kein Einbruch zu erwarten. Am Donnerstag veröffentlichte Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe weisen auf einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt hin. Der gleitende Vier-Wochen-Durchschnitt der Erstanträge liegt auf dem niedrigsten Niveau seit Ende 1973.