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Zentralbanken und Börsen

Die Zeit nach der Geldflut

Meinung / von Werner Grundlehner / 12.09.2016

Die Wirkung von geldpolitischen Lockerungen hat jüngst stetig abgenommen. Nach der nächsten Zinserhöhung in den USA werden sich Investoren einem Realitäts-Check unterziehen müssen.

Seit Jahren stehen die Finanzmärkte unter dem Einfluss der Notenbankpolitik. Ziel der expansiven Geldpolitik ist es, Wirtschaftswachstum und Teuerung wiederzubeleben. Das ist in den USA teilweise, in Europa und Japan aber nicht gelungen.

Doch die von den Notenbanken losgetretene Geldlawine hat auch die Preise von Sachwerten steil nach oben getrieben. Die Zentralbanken haben auch diesen sogenannten Vermögenseffekt beabsichtigt: Niedrige Zinsen sollen die Preise von Dividendenpapieren, Anleihen und Immobilien und damit das Haushaltsvermögen in die Höhe treiben, um Konsum und Investitionen zu stimulieren. Daran haben sich die Investoren gerne gewöhnt. Doch nun zeigt sich, dass die Notenbanken auch hier die Kontrolle verloren haben.

Jede weitere Zinssenkung und Erhöhung des Aufkaufprogramms von Anleihen (QE) zeigt einen kleineren – nur noch kurz anhaltenden – Grenznutzen. Die Europäische Zentralbank hat nun auf weitere Zinssenkungen oder eine Ausdehnung des Anleihen-Aufkaufprogramms verzichtet. Die Investoren sind mittlerweile vor allem damit beschäftigt, abzuschätzen, wann die US-Notenbank die zweite Zinserhöhung ankündigen wird.

Die Nervosität an den Börsen wird bis zum nächsten Treffen des Fed-Offenmarktausschusses am 21. September zunehmen – und darüber hinaus anhalten. Einen Vorgeschmack darauf haben die jüngsten widersprüchlichen Aussagen von Fed-Mitgliedern gegeben. Je nachdem, wie sie sich über die Notwendigkeit einer baldigen Erhöhung der Leitzinsen äusserten, reagierten die Börsen heftig.

Angesichts der Abnahme der Stimuli durch die Geldpolitik werden sich Investoren wieder vermehrt der Fundamentalanalyse zuwenden müssen. Dabei werden sie feststellen, dass weder Wirtschafts- noch Gewinnwachstum so rosig sind, dass sie die derzeit hohen Aktienbewertungen rechtfertigen würden.