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Walkthrough

Dieses Budget muss noch nachgebessert werden

von Lukas Sustala / 27.11.2015

Nach dem Budget ist in diesem Fall leider vor dem Budget, denn auf vielen Baustellen lärmt es. Kärnten will 1,2 Milliarden Euro für die Heta zahlen, aber nicht mehr. Österreich gerät wegen seiner Banken ins Visier der EU-Kommission. Und wie viel würden Sie für einen 1111-Karat-Diamant zahlen? Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Da kommt noch was. Das Parlament hat gestern mit den Stimmen der Regierungsparteien das Budget für 2016 ohne Abänderungen beschlossen. Besser wäre es wohl gewesen, das nicht zu tun (NZZ.at). Am Freitag zeichnet sich bereits ab wieso. Da betritt etwa der ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka die politische Bühne mit der Forderung, angesichts der Flüchtlingskrise bei der Mindestsicherung „nachzuschärfen“ (Kurier). Mit schärferen Zugangsregeln soll eine Kostenexplosion verhindert werden. Es wird nicht der letzte Aufruf in diese Richtung sein. Und auch im Bereich Pensionen werden Einsparungen auf den Tisch kommen. Dass dabei auch noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, zeigt etwa die Analyse von EcoAustria zu dem staatlichen Zuschuss bei einzelnen Pensionen (NZZ.at). Hier kommen hunderttausende Euro zusammen. Wie lange man sich das in dem aktuellen Ausmaß leisten kann und will, ist die Frage.

Ein Schlussstrich für Kärnten? Kärnten will das Debakel der Hypo Alpe Adria mit 1,2 Milliarden Euro aus der Welt schaffen. So viel Geld will das Land aufbringen, um den Gläubigern die Haftungen abzukaufen (Ö1). Kärnten bekommt dafür einen Milliardenkredit von der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur Öbfa, und zwar genau zu denselben Konditionen, zu denen sich auch der Bund finanziert. Die bei den laufenden Krediten extra verrechneten höheren Zinsen, die Kärnten aufgrund seiner schlechteren Bonität zahlen muss, fallen also weg. Ob es aber tatsächlich mit den 1,2 Milliarden Euro getan ist, hängt natürlich auch davon ab, wie viele Gläubiger sich ihre Haftungen abkaufen lassen, wie viele klagen und was schlussendlich die Gerichte zu dem Rückkauf sagen. Kärnten will mit einem Zehntel der ausstehenden Landeshaftungen davonkommen, aber es ist mehr als fraglich, ob das auch klappt.

Zielpunkt, ziellos. Die Handelskette Zielpunkt legt die bis dato größte Pleite des Jahres hin. Das Unternehmen galt schon lange als Wackelkandidat, ist die Konkurrenz im Handel doch tendenziell stark und sowohl Diskonter als auch große Ketten haben dem Unternehmen das Leben zu schwer gemacht. Genug eigene Versäumnisse haben dazu geführt, dass Zielpunkt den Anschluss verloren hat (NZZ.at). Allerdings ist die scharfe Kritik der Gewerkschaft am Versagen des Managements angesichts der Herausforderungen von Wettbewerb und Onlinehandel maximal wenig hilfreich (NZZ.at). Die AK und der ÖGB werden nämlich die Standorte von Zielpunkt nicht übernehmen, die heimischen Diskonter schon eher.

Österreichs Achillesferse. Die EU-Kommission prüft die makroökonomische Lage in 18 EU-Staaten. Die Gründe reichen von der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit in Frankreich bis zur Lage der Banken in Österreich (NZZ.at). Dass die hohen Osteuropa-Risiken mehr als nur teilweise schlagend geworden sind, nimmt nun auch die EU-Kommission unter die Lupe. Konkret sucht die Kommission ja nach „makroökonomischen Ungleichgewichten“. Darunter könnten natürlich die überschüssigen Sparvermögen, die sich ihren Weg nach Osteuropa gebahnt haben, gesehen werden. In Österreich kam aber in der Vergangenheit noch ein zusätzlich Missverhältnis zwischen Banken und Aufsicht dazu.

Neue asiatische Unsicherheit. Chinas Aktienmarkt hat heute den schlechtesten Tag seit der Krisenerscheinung im Sommer erlebt. Der Leitindex Shanghai Composite ist um knapp 5,2 Prozent abgestürzt. Die chinesischen Behörden ermitteln gegen eine weitere Wertpapierfirma wegen Verstößen gegen Finanzregulierungen (Reuters). Der Leitindex hat zwar an einem Tag 417 Punkte verloren, steht aber immer noch höher als vor drei Monaten.


Credits: Factset

Es passiert nicht oft, dass ein Milliardär verhaftet wird. In einem Land wie Brasilien zu allem Überfluss. Als André Esteves, der führende Investmentbanker Lateinamerikas, am Mittwochmorgen in Rio de Janeiro festgenommen wurde, löste das eine mediale Explosion aus. Esteves soll jedoch im Rahmen der Operation „Hochdruckreiniger“ vernommen werden. Seit März 2014 sind bereits über hundert Unternehmer und Politiker im Zusammenhang mit dem Korruptionsprozess um den Petrobras-Konzern festgenommen worden (NZZ).

Free Lunch – Food for Thought

1111 karätiger Diamant: Der Preis ist Verhandlungssache (NZZ).

Was hat die Euro-Zonen-Krise ausgelöst? Auf wohlfeilen fünf A4-Seiten (CEPS).

Banker vs. Matratzen: Der Konflikt in Zeiten der Negativzinsen (The Economist).

Gold zu Schnäppchenpreisen.

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