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Diplomaten auf Abwegen: Nordkoreanisches Nebengewerbe in Sofia

von Marco Kauffmann Bossart / 07.10.2016

Die Repräsentanten des kommunistischen Nordkorea scheren sich wenig um diplomatische Gepflogenheiten. Neben weniger harmlosen Aktivitäten vermieten sie neuestens ihre Büros an Heiratswillige.

Die Diplomaten Nordkoreas sind gut beraten, wenn sie sich einen lukrativen Nebenerwerb zulegen. Dem kommunistischen Hungerstaat fehlt es nicht nur an Mitteln, seine Aussenposten zu finanzieren. Pjongjang braucht die diplomatischen Vertretungen auch als Devisenbeschaffer für die nach Luxusgütern und Atomwaffen gierende Kim-Dynastie. Ob Drogenhandel, Geldfälschen oder illegale Waffenverkäufe – die Diplomaten des repressiven Regimes sind laut Uno-Experten wenig wählerisch.

Eine Geschäftsidee, die auf den ersten Blick jedweder Ehrenrührigkeit entbehrt, entwickelte die nordkoreanische Botschaft in Sofia, mit 20 Diplomaten eine der grössten im weltweiten Vertretungsnetz: Sie vermietet ihre Räumlichkeiten laut dem bulgarischen Nachrichtenportal „Novinite“ an eine Heiratsagentur. Eine feierliche Zeremonie unter den Porträts der grinsenden Kims? Ein feuchtfröhliches Bankett in einem Saal mit schweren Samtvorhängen und Kronleuchtern aus der letzten stalinistischen Bastion? Wer das Aussergewöhnliche sucht, dürfte damit gut bedient sein. Die Nebentätigkeiten scheinen die nordkoreanischen Diplomaten dermassen stark in Beschlag zu nehmen, dass sie den Einladungen ihrer Berufskollegen nur selten Folge leisten.

Aufmerksam auf das ungewöhnliche Nischenangebot für Heiratswillige wurden die Vertreter des anderen, kapitalistischen Korea. Südkorea intervenierte beim bulgarischen Aussenministerium und rief in Erinnerung, dass die kommerzielle Nutzung von Botschaftsgebäuden das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen verletze. Zum Ärger Seouls scheint Bulgarien den einstigen Bruderstaat aus dem kommunistischen Orbit allerdings zu schonen. Sofia dulde das illegale Treiben, berichteten koreanische Medien.

Laut denselben Medien soll Deutschland den Immobiliengeschäften nordkoreanischer Diplomaten allem Anschein nach aber erfolgreich Einhalt geboten haben. Es wurde ihnen erläutert, dass eine Aufhebung der diplomatischen Immunität drohen könnte und Mieteinnahmen fortan besteuert würden.