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Studie

Diskriminierende Firmen gehen öfter in Konkurs

Meinung / von Hansueli Schöchli / 23.09.2016

Wer sich über die Diskriminierung von Frauen, Älteren oder gewissen Rassen durch Arbeitgeber aufregt, bekommt nun etwas Trost. Laut einer neuen Studie gehen diskriminierende Firmen häufig pleite.

Am Arbeitsmarkt mögen sich viele Menschen diskriminiert fühlen – zum Beispiel Frauen, Ältere, Ausländer, Kleinwüchsige oder Bescheidene. Die Schweizer Politik fühlt sich vor allem durch die mutmassliche Diskriminierung von Frauen herausgefordert und erwägt zusätzliche Gesetze dagegen. Im Lehrbuch der Ökonomen ist die wirtschaftlich unbegründete Diskriminierung von bestimmten Gruppen durch Arbeitgeber irrational. Rationale Firmen könnten dies ausnützen, indem sie zum Beispiel besonders viele Frauen anstellen, von deren tieferen Löhnen profitieren und damit die Konkurrenz vom Markt verdrängen. Dummerweise fehlt es bisher in der Praxis an verbreiteten Belegen für solche Mechanismen – vielleicht weil es „rationale Firmen“ nur in der Theorie gibt, wie böse Zungen sagen würden.

Doch wenigstens kommt nun ein bisschen Hoffnung aus den USA. Dort hat eine Forscherin der Universität Harvard einen Datensatz von rund 140 New Yorker Unternehmen ausgewertet, welche vor 12 Jahren Gegenstand einer Studie über Rassendiskriminierung bei der Personaleinstellung waren. Das Fazit: Die damals als diskriminierend eingestuften Firmen gingen seither etwa doppelt so häufig Konkurs wie die anderen Unternehmen. Dieser statistische Zusammenhang änderte sich auch mit dem Einbezug von Branche und Firmengrösse nicht wesentlich. Das heisst nicht zwingend, dass die Diskriminierung das Konkursrisiko direkt erhöhte, wie die Autorin einräumt. Aber die Diskriminierung könne eine Illustration von generell irrationalen bzw. schlechten Entscheiden von Firmenverantwortlichen sein.

Man muss die Studie nicht überschätzen. Die Zahl der untersuchten Firmen war klein. Zudem wäre zu fragen, ob es ähnliche Untersuchungen gab, die vielleicht nur darum nicht publiziert wurden, weil kein Zusammenhang zwischen Diskriminierung und wirtschaftlichem Erfolg sichtbar wurde. Doch man mag Resultate feiern, wie sie fallen. Man darf nun ein bisschen hoffen – auch darauf, dass weitere und breiter angelegte Untersuchungen der Sache auf den Grund gehen.