Montag, Reuters/Pfaffenbach x 2

Randnotiz

Draghi vs. Draghi: Die KMU bleiben auf der Strecke

Meinung / von Lukas Sustala / 16.03.2016

Die Europäische Zentralbank steht sich bei ihrem Versuch, die Kreditvergabe anzukurbeln, selbst im Weg. Das schadet vor allem kleinen Unternehmen, die von der Geldflut nichts haben.

Mario Draghi hat ein Ziel. Die Europäische Zentralbank, deren Präsident er ist, will mit niedrigen Zinsen und Anleihenkäufen die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Unternehmen in der Euro-Zone sollen mehr Kredite erhalten und investieren.

Mario Draghi hat ein Ziel. Die Europäische Zentralbank, deren Präsident er ist, will als oberste Bankenaufseherin verhindern, dass es wieder eine Bankenkrise gibt. Also werden die Regelungen für die Banken verschärft und die vorgeschriebenen Kapitalquoten massiv erhöht.

Es klingt schizophren, was da aus Frankfurt für Zielvorgaben für Europas Banken kommen. Und was davon die Finanzabteilungen großer und kleiner Unternehmen erreicht, ist dann mindestens ebenso widersprüchlich. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des österreichischen Kreditschutzverbandes KSV1870. Im Februar hat der Kreditschutzverband eine Umfrage durchgeführt, an der 1.600 Mitglieder und Kunden teilgenommen haben.

Das Ergebnis ist – kurz zusammengefasst – ernüchternd. „Die Banken stecken in einem immer enger geschnürten Korsett, siehe Basel III und die Eigenkapitalvorschriften“, sagt Gerhard Wagner vom KSV1870. „Auch im Bankenbereich ist Hyperregulierung schädlich, gemeinsam mit fehlender Nachfrage und schwachen Investitionsimpulsen führt sie zu Stillstand, das darf niemanden wundern.“

Das Korsett lässt nicht nur die Banken nach Luft ringen, sondern auch die Unternehmen. Sie beklagen, dass die Kreditaufnahme in Österreich schwierig oder sehr schwierig ist. Wenig verwunderlich ist, dass es vor allem Kleinunternehmen in Kärnten besonders schwierig finden, an Finanzierungen zu kommen. Auch lässt sich aus der KSV1870-Erhebung schließen, dass vor allem kleine Unternehmen immer mehr Sicherheiten bereitstellen müssen – das macht den Kredit für die Banken sicherer, aber für die Unternehmen auch unwahrscheinlicher.

Und so verwundert es kaum, dass die meisten Unternehmen abwarten wollen. Ein Kredit? Für die Finanzierung von Wachstum? Jetzt? Diese Frage beantworten die meisten klar mit Nein.

Und so wird der schizophren wirkende Mario Draghi in Österreich folgenden Trend am Leben halten: Die Banken vergeben wegen der niedrigen Zinsen und der EZB-Geldflut mehr Kredite – aber nur an private Haushalte (Stichwort: Immobilien). Die vielen KMU gehen in der Geldflut unter.


Mehr zum Thema:

Video und Analyse: Warum Draghis Geldflut Österreich eher schadet als nützt