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Walkthrough

Drei Banken, drei Probleme

von Lukas Sustala / 05.08.2016

Selbst auf Österreichs kleinem Bankenmarkt scheint sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Was ist eigentlich aus der Krise in China geworden? Und es ist wieder einmal nichts passiert. Ein Walkthrough im Phänomen Geld. 

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Es waren einmal drei Banken. Erste Group, RBI, Bank Austria. Diese Woche hat gezeigt, dass selbst auf einem vermeintlich kleinen Bankenmarkt wie dem österreichischen höchst unterschiedliche Erfolgsgeschichten geschrieben werden. Die Erste Group vemeldete heute „das beste Halbjahresergebnis unserer Unternehmensgeschichte“. Im zweiten Quartal ist die Eigenkapitalverzinsung auf 19,7 Prozent gestiegen, was fast schon an die „guten, alten“ Zeiten vor der Finanzkrise erinnert, in denen das Bankgeschäft noch Spaß gemacht hat, wie es Erste-Group-Chef Andreas Treichl einmal formuliert hat (NZZ.at). Die Devise bei der Erste lautet also: Geld verdienen und Kapitalquote steigern. Gleichzeitig bereitet der Raiffeisensektor einen Umbau vor, um zu sparen – hat man doch beim europaweiten Stresstest schwach abgeschnitten (NZZ.at). Bei der Bank Austria wiederum wird noch um die Abwanderung des Osteuropageschäfts nach Mailand gestritten, der italienische Mutterkonzern soll ein bis zwei Milliarden Euro nach Wien zur Kapitalstärkung überweisen, fordert die Aufsicht, was angesichts der Italien-eigenen Probleme keine leichte Aufgabe ist (Der Standard). Das Bank-Austria-Österreich-Geschäft alleine jedenfalls hat im ersten Halbjahr einen Verlust eingefahren. Und so misstrauen die Investoren den Bewertungen bei RBI und Unicredit weiter (Kurs-Buch-Verhältnis deutlich unter eins), während sich die Erste Group allmählich hocharbeitet.

Wie geht es China? Erinnern Sie sich noch an den August 2015? In den meisten Finanzmedien herrschte helle Aufregung über die Zustände in China. Die Währung wertete ab, der chinesische Aktienmarkt korrigierte stark und zog auch die westlichen Märkte mit. Alleine zwischen 5. und 24. August ist auch der deutsche Leitindex Dax um 17,3 Prozent gefallen. Der Shanghaier Leitindex SSE Composite hat gar um 30 Prozent in diesem Sommer korrigiert. Es war die zweite von drei Korrekturphasen in China nach einem raketenhaften Anstieg der Aktienkurse zuvor, getrieben von der Angst der Überschuldung und des lahmenden Wirtschaftswachstums (NZZ.at). „Wie geht es China mittlerweile?“ fragt sich nicht nur der Economist. Die Frage treibt auch Analysten und Unternehmer um. In kaum einem Buch wird aktuell die chinesische Zukunftsfrage so gestellt wie in „China’s Future“ von David Shambaugh, Direktor an der Elliott School of International Affairs an der George Washington University. Wer die vielen Dilemmata der chinesischen Führung zwischen Demokratie und Autoritarismus, zwischen Markt und Intervention, zwischen Öffnung und Abschottung, zwischen Unternehmertum und Dirigismus verstehen will, kann bei keinem besseren Buch anfangen.

Die Achse wurde invertiert, damit die Abwertung des Yuan auch mit einem sinkenden Kurs einhergeht. Bekam man für einen US-Dollar 2014 noch 6,1 Yuan, sind es aktuell bereits 6,6.

Was macht die Bank of England gegen den Brexit? Die britische Notenbank stemmt sich geldpolitisch gegen die wirtschaftlichen Folgen des Brexit. Die Zinssenkung und die Ausweitung der Anleihenkäufe haben kurzfristig die Währung geschwächt (NZZ). Mittelfristig stellt sich aber die alles entscheidende Frage, ob man geldpolitisch wirklich viel ausrichten kann, wie NZZ-Wirtschaftsressortleiter Peter Fischer richtig bemerkt (NZZ.at): „Der Brexit-Entscheid ist ein ernsthafter struktureller Schock, auf den die Politik mit wirtschaftspolitischen und strukturellen Verbesserungen und allenfalls mit fiskalpolitischen Stimuli reagieren sollte. Vieles spricht jedoch dafür, dass es in solch aussergewöhnlichen Situationen neue geldpolitische Lehrbücher bräuchte. Die Bank of England läuft Gefahr, mit ihrer Fixierung auf kurzfristige Wachstumsstimulierung mehr Schaden anzurichten, als die unvermeidliche Anpassung zu erleichtern.

Diese Woche ist wieder etwas nicht passiert. Die österreichischen Mieter und Vermieter müssen weiter ausharren, wann und wie die Regierung ihre bereits oft versprochene Mietrechtsreform umsetzen wird. Der Termin zur Bekanntgabe diese Woche verstrich wie schon andere Termine zuvor ereignislos. Dabei gibt es viel, viel zu tun (NZZ.at): „Die anvisierte Reform sollte ein möglichst einheitliches Mietrecht schaffen, das mit dem historisch bedingten Wildwuchs an Anwendungsbereichen für Immobilien Schluss macht. Derzeit gilt das Mietrechtsgesetz (MRG) je nach Objekt voll, zum Teil oder gar nicht – hier gehört dringend entrümpelt.

Was kostet der Putsch? Bernhard Schinwald hat sich mit der entscheidenden Frage beschäftigt, was man denn wirtschaftlich in der Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch zu befürchten hat (NZZ.at). Was passiert in einem Land nach einem politischen Schock dieser Größenordnung? Kurz gefragt: Was kostet ein Putsch? Das hängt davon ab, ob eine demokratische oder eine autoritäre Staatsform gestürzt wird. Das war auch Thema eines aktuellen Podcasts des Economist.

ORF, quo vadis? Nächste Woche wird über den Generaldirektor von Österreichs größtem Medienunternehmen entschieden. Ob es nun der amtierende Alexander Wrabetz oder der Herausforderer Richard Grasl wird: Die Aufgaben für den ORF bleiben enorm – und sollten unabhängig von der GD-Wahl die Frage aufwerfen: Wie soll sich der ORF aufstellen, möglichst ohne eine Gebührenerhöhung? (NZZ.at)

Inspirationen – Food for thought

Was Unternehmen im Innersten zusammenhält (NZZ.at).

Die EZB bekommt viel von ihrer eigenen Medizin ab, und sie kauft in großem Stil Anleihen mit negativen „Zinsen“ (NZZ.at).

Thomas Piketty hat ein Problem.

Propaganda mit der Mindestsicherung (NZZ.at).