REUTERS

Raketenexplosion

Drückt Musk zu stark aufs Gaspedal?

von Lucie Paska / 02.09.2016

So ein Pech: Zum zweiten Mal in etwas mehr als einem Jahr ist eine Rakete des Unternehmers Elon Musk explodiert. Doch nicht nur für ihn ist das ein erneuter grosser Verlust. Die anderen beteiligten Firmen leiden ebenso.

Die Explosion, die am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr eine pilotenlose Rakete Falcon 9 von SpaceX des Unternehmers Elon Musk zerstört hat, wird auch Auswirkungen auf die anderen an dem Raketenstart beteiligten Unternehmen zeitigen. Menschen sind beim Unfall in Cape Canaveral keine zu Schaden gekommen. Doch wolle sich Musk nun, nachdem bereits im Juni 2015 eine von ihm betriebene Falcon-Trägerrakete verunfallt sei, verstärkt dem Sicherheitsaspekt widmen, heisst es. Die Explosion ereignete sich, als die Rakete für einen Teststart betankt wurde. Die Raketen sollten wiederverwertbar sein und kosten 60 Mio. $ pro Stück.

Musks Firmen in Geiselhaft

An der US-Börse verloren die Aktien der beiden anderen Firmen von Musk Tesla Motors und SolarCity über 5% beziehungsweise 9%. Der Satellitenbetreiber Eutelsat erklärte, der Vorfall könnte den eigenen Umsatz bis 2019 um insgesamt bis zu 50 Mio. € schmälern.

Für das Raumfahrtunternehmen Spacecom wiederum steht ein bereits vereinbarter Verkauf des Unternehmens an den chinesischen Konzern Beijing Xinwei Technology für 285 Mio. $ auf dem Spiel. Das Geschäft sollte unter der Bedingung stattfinden, dass der Satellit erfolgreich ins All gebracht wird.

Neben dem Verlust des von Israel gebauten Satelliten im Wert von über 200 Mio. $, der im Auftrag von Facebook ins All hätte geschickt und für eine Verbesserung des Internetzugangs im südlichen Afrika hätte sorgen sollen, ist der Unfall von AMOS-6 auch ein schwerer Rückschlag für die Satelliten-Industrie des Landes. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der sich gegenwärtig auf Werbetour in Afrika befindet, zeigte sich tief enttäuscht.

Die Zukunft der Branche stehe infrage, fürchtet die Raumfahrtbehörde. SpaceX, die die Falcon-Trägerrakete mit finanzieller Unterstützung der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa baut, hatte gehofft, dieses Jahr 18 Starts durchführen zu können. Acht sind denn auch schon bewältigt worden. Insgesamt hat SpaceX bisher 27 erfolgreiche Missionen durchgeführt, insbesondere für die Nasa und die Air Force. Der nächste Materialflug ist für November geplant.

Ist die Sicherheit in Gefahr?

Mit den Falcon-9-Raketen, die für einen wiederholten Einsatz konzipiert sind und zu Land und zu Wasser landen können, verfolgt Musk das Ziel, Raumflüge erschwinglich und verfügbar zu machen. In naher Zukunft soll das private Unternehmen neben Material auch Astronauten in den All befördern. Dafür hat Musk einen ehrgeizigen Zeitplan vorgegeben. Nach den zwei Unfällen stellt sich nun aber die Frage, ob nicht auf Kosten der Sicherheit auf das Tempo gedrückt wird. Die Untersuchung des Vorfalls solle hier Klärung bringen.