Wolfgang Rattay / Reuters

E.On schliesst Konzernspaltung ab: Langer Schatten der Energiewende

von Christoph Eisenring / 13.09.2016

E.On setzt auf Ökostrom, Vertrieb und Netze. Die konventionellen Kraftwerke dagegen sind nun als Uniper an der Börse kotiert. E.On-Chef Teyssen sieht zudem ein Altlastenproblem kurz vor der Klärung.

Der Energieversorger E.On war 2008 mit einem Börsenwert von gut 100 Mrd. € der wertvollste deutsche Konzern. Jüngst wurde er nur noch mit 16 Mrd. € bewertet. Die Politik mit ihrer «Energiewende» und dem Atomausstieg bis 2021 hat zu einer grossen Wertvernichtung bei den deutschen Elektrizitätsproduzenten geführt. Dazu kamen bei E.On aber auch Managementfehler. Das reichlich zufliessende Geld wurde im Ausland nicht immer werthaltig eingesetzt, wenn man an den Milliardenverlust in Brasilien denkt. Nun ist die «alte» E.On Geschichte. Seit Montag sind E.On und die abgespaltete Uniper separat kotiert.

Versicherung gegen Altlasten

In Uniper sind die Gas-, Kohle- und Wasserkraftwerke sowie der Grosshandel und die Erdgasförderung konzentriert. Böse Zungen bezeichneten Uniper auch schon als «Reste-Rampe». Von solchen Bezeichnungen hält E.On-Chef Johannes Teyssen nichts. Er erinnerte am Montag vor der ausländischen Presse an die Firma Lanxess, in die Bayer ihr Chemiegeschäft ausgelagert hatte. Ihr sei dasselbe Etikett umgehängt worden, sie habe sich in der Selbständigkeit aber gut entwickelt.

Teyssen selbst steht der «neuen» E.On vor, die sich um die Geschäfte der Energiewende, also um Elektrizität aus Wind und Sonne, das Verteilnetz und den Vertrieb, kümmert. Die Netzentgelte sind dabei eine stabile Einnahmequelle. Gleichzeitig ist E.On hier ganz vom Staat abhängig, der dieses natürliche Monopol reguliert.

Auch die Nummer zwei in Deutschland, RWE, teilt sich auf, geht aber den umgekehrten Weg: Grosskraftwerke und Handel bleiben in der «alten» RWE. Die Erneuerbaren, Netze und der Vertrieb kommen dagegen zur Tochter Innogy, die an die Börse gebracht wird. RWE will aber die Kontrolle über Innogy behalten. Teyssen dagegen ist überzeugt, dass sich E.On und Uniper besser entwickeln, wenn sie nicht aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Noch hält E.On knapp 47% an Uniper, doch will man sich davon mit der Zeit trennen. Die Anleger scheinen das ähnlich zu sehen. Jeder Aktionär erhielt für zehn E.On-Aktien einen Uniper-Valor. Zwar verlor die E.On-Aktie am Montag deutlich an Wert. Aber laut Reuters lag der Wert von E.On und Uniper am Montagmittag zusammen mit 17,4 Mrd. € höher als derjenige der «alten» E.On mit 15,9 Mrd. € am letzten Freitag.

Einer grossen Last könnte sich E.On zudem schon bald entledigen. Die Rede ist von den Kosten für die Lagerung radioaktiver Abfälle. Für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Verpackung des Atommülls müssen E.On, RWE, EnBW und Vattenfall selbst aufkommen. E.On hat dafür gut 10 Mrd. € zurückgestellt. Bald könnte nun auch die Finanzierung für die Zwischen- und Endlagerung gelöst sein. Im April hatte eine Regierungskommission vorgeschlagen, dass die vier Energiefirmen einen Fonds mit ihren bisher dafür gebildeten Rückstellungen von 17 Mrd. € äufnen und noch einmal 6 Mrd. € als «Risikozuschlag» einzahlen. Damit wären die Energieversorger das Problem Zwischen- und Endlagerung ein für alle Mal los. E.On müsste vom Risikozuschlag etwa 2 Mrd. € übernehmen. Teyssen bezeichnete dies als «Versicherungsprämie». Man wisse schliesslich nicht, wie hoch die Belastung sonst über die Jahrzehnte würde. E.On ist indes durch die Milliardenverluste der letzten Jahre geschwächt. Die 2 Mrd. € können deshalb nicht durchs laufende Geschäft finanziert, sondern müssten wohl durch eine Kapitalerhöhung aufgebracht werden.

Bilanz soll geschont werden

Dies ist überhaupt eine Einschränkung der «neuen» E.On. Sie kann nicht einfach losstürmen und viel Geld investieren. Die Investitionen sollen sich vielmehr in den nächsten Jahren im Rahmen der Abschreibungen bewegen, um die Bilanz zu schonen. Dazu gehört auch, dass die Aktionäre bei den Dividenden Abstriche machen müssen, weil der Gewinn zu einem guten Teil einbehalten werden soll.

Dass bei E.On Bescheidenheit Einzug gehalten hat, zeigt sich am Sitz in Berlin. Von einer Repräsentanz wollte Teyssen gar nicht mehr sprechen. Feste Büros gebe es hier nicht mehr, sagte er. E.On hatte früher Unter den Linden residiert, jetzt hat man sich spartanisch direkt neben dem Bahnhof Friedrichstrasse einquartiert.