REUTERS/Mark Blinch/Files

Walkthrough

Ein anregender Steuerdeal

von Lukas Sustala / 23.11.2015

Durch einen Pharmazusammenschluss entsteht der größte Konzern der Branche. Das österreichische Budget braucht mehr Reform nach der Steuerreform. Bringt Argentiniens Kurswende auch eine finanzielle Kurswende? Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Der größte Pharmagigant entsteht. Die Rekordfusion in der Pharmabranche ist so gut wie fix. Der irische Konzern Allergan und der US-Pharmariese Pfizer wollen sich zum größten Pharmakonzern der Welt zusammenschließen (NZZ). Das Volumen der Transaktion liegt laut den Unternehmen bei rund 160 Milliarden US-Dollar. Der Deal im Überblick:

Die klingenden Namen der pharmazeutischen „Cash Cows“ kennt jeder: Botox (Allergan) und Viagra (Pfizer). Doch die Investoren sind nicht nur begeistert, weil die beiden Unternehmen sich gut ergänzende Medikamentenportfolios halten. Nein, noch wichtiger ist, dass die Unternehmen mit dem Deal Steuern sparen können. Dabei versucht US-Finanzminister Jack Lew mithilfe neuer Gesetze genau das zu verhindern (NZZ.at).

Nach dem Budget ist vor der Reform. Diese Woche steht wirtschaftspolitisch ganz im Zeichen der Budgetdebatte im Parlament. Doch Finanzminister Hans Jörg Schelling arbeitet bereits am nächsten Schritt, will er doch im Februar eine Pensionsreform – noch gegen den Willen vieler Regierungsmitglieder – durchbringen, die ihren Namen verdient hat (Ö1). Auch von einer Pensionsautomatik wird dieser Tage wieder die Rede sein. Die Analyse von Leopold Stefan am Wochenende hat gezeigt, dass sie durchaus nötig sein könnte, um die aktuell hohen Budgetkosten des Themas Pensionen langfristig vielleicht doch zum Sinken zu bringen. Ohne Wirtschaftswunder dürfte das aktuell aber sehr schwer sein.

Mehr Ehrlichkeit wagen! Experten werden sich jedenfalls in den kommenden Tagen mit Tipps zum Budget überschlagen. Allein, das mit dem „unabhängigen“ Expertentum in Österreich ist so eine Sache, wie Matthäus Kattinger treffend analysiert hat. „Ich setze ,Experten‘ daher dann und wann unter Anführungszeichen; gemäß meiner altmodischen Ansicht erfordert es die Tätigkeit als Experte, dass sich dieser der Wahrheit (und – wo vorhanden – der wissenschaftlichen Reputation) verpflichtet fühlt. Und das würde bedeuten, dass die Expertentätigkeit in keinerlei Zusammenhang mit Aufträgen derjenigen Gruppierung oder Partei steht, die ihn als Experte nominiert hat.“ Die Realität sieht in Österreich bekanntermaßen etwas anders aus.

Argentinien vor der Kurswende? Das Wochenende brachte in einem der ehemals reichsten Länder der Welt einen neuen Präsidenten. Argentinien hat ein neues Staatsoberhaupt, den liberal-konservativen Mauricio Macri. Der Peronismus und der von Ex-Präsidentin Kirchner bevorzugte Kandidat unterlag in der Stichwahl. Die Wirtschaft war für viele Argentinier DAS Wahlmotiv. Das kann man selbst ohne viel ökonomische Empathie nachvollziehen, denn Macri steht vor einem Scherbenhaufen (NZZ). Die Währung, der argentinische Peso, hat in zehn Jahren mehr als zwei Drittel seines Wertes eingebüßt. Die Inflation beläuft sich auf zuletzt 14,8 Prozent. Doch es ist Vorsicht angebracht, denn das sind die „offiziellen“ Zahlen – und die wurden in Argentinien unter Präsidentin Kirchner von der Realität immer weiter entfernt. Am Schwarzmarkt zahlt man für einen Dollar schon gut und gerne 15 Pesos, und die Inflationsrate liegt wohl eher bei 25 Prozent (Billion Prices Project).

(Keine) Angst um China? Sie ging dieses Jahr besonders heftig um. Die Sorge um eine „harte Landung“, also einen Wirtschaftsabsturz in China. NZZaS-Redakteurin Franziska Pfister hat sich angesehen, wie es aktuell um das chinesische Wachstumsmodell bestellt ist (NZZ.at). Ja, es gibt weniger Expansion, aber nein, das ist noch kein Grund zur Panik, lautet ihr Resümee. Denn das prognostizierte Trend-Wachstum fällt zwar, aber nicht auf null.

Free Lunch – Food for Thought

Fürchtet euch nicht vor Zombiebanken, schreibt Kolumnist und Nobelpreisträger Paul Krugman. Zumindest schreibt Krugman, dass es nicht Europas Banken sind, die den Aufschwung zurückhalten (NYTimes).

Wie war das noch gleich mit dem New Normal auf dem Ölmarkt?

Eine neue historische Studie über wirtschaftliche Freiheit in den OECD-Staaten (VoxEU).

Die Sachbuchleseliste des Jahres 2015 von Tyler Cowen; für alle, die auf Kindle noch ein paar MBs und in ihren Bibliotheken noch ein bisschen Stauraum haben (MarginalRevolution).

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