Martin Specht

Neil Woodford

Ein Fondsmanager hat von Boni genug

von Gerald Hosp / 23.08.2016

Boni sind in der Finanzbranche so weit verbreitet wie umstritten. In Londons Finanzbranche gehören sie zum guten Ton. Ein prominenter Fondsmanager hat aber die Boni in seiner Gesellschaft abgeschafft.

Neil Woodford, einer der bekanntesten Fondsmanager in Grossbritannien, bricht mit den Gepflogenheiten der Londoner City. Die 35 Mitarbeiter von Woodford Investment Management erhalten keine Boni mehr als Teil der Entlohnung. Seit dem 1. April beziehen sie nur ein Grundgehalt, das zunächst angehoben wurde, damit keine Einbussen entstehen. Der durchschnittliche Lohn betrug im vergangenen Jahr 225 000 £. Craig Newman, Gründer und Geschäftsführer der Fondsgesellschaft, begründete den Schritt damit, dass Boni die Leistung der einzelnen Mitarbeiter nicht verbesserten und zu kurzfristigem Denken verleiten würden. Das neue System solle den Fokus auf die Langfristigkeit der Investitionen lenken.

Woodford, der für seine unkonventionellen Ansätze bekannt ist, widersetzt sich damit der in der Finanzbranche weitverbreiteten und heftig kritisierten Verwendung von leistungsabhängigen Lohnkomponenten. Unter EU-Vorschriften wurde bereits zum Missfallen der Londoner City die Höhe der Boni beschränkt: Die variable Vergütung darf nicht höher sein als das fixe Jahresgehalt. Die Aktionäre oder Eigentümer können jedoch einen Aufschlag von maximal 200% zum Fixgehalt bewilligen. Mit dem Entscheid Grossbritanniens, aus der EU auszutreten, dürfte diese Regelung wieder fallen. Ausser dem Versuch, das Verhalten zu lenken, gibt es ein weiteres Argument zugunsten von Boni, das auch die britischen Behörden vorbringen: In schlechten Zeiten können Finanzinstitute leichter variable Vergütungen als Fixgehälter kürzen, was die Unternehmen flexibler macht. Die Fixkosten werden dadurch zu einer geringeren Belastung. Kritiker von Boni wenden ein, dass diese zu risikoreichem und betrügerischem Verhalten führen, was auch ein Grund für die Finanzkrise gewesen sei.

Fondsmanager Woodford gründete die Gesellschaft zusammen mit Newman vor zwei Jahren und verwaltet derzeit Kundengelder im Wert von rund 14 Mrd. £. Dass er gegen den Strich der Branche bürstet, bewies er auch mit der Einführung einer neuen Gebührenstruktur. Ab April publiziert seine Gesellschaft detailliert die gesamten Kosten, die für die Kunden anfallen. Zudem wurden einige Gebühren gekippt.