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Ein Händler soll die US-Märkte ins Wanken gebracht haben

von Lukas Sustala / 22.04.2015

Ein Mann ist im Zusammenhang mit dem Flash Crash 2010 verhaftet worden. Die Negativzinsen breiten sich aus. Und ein furchteinflößendes Chart zu China. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Flash Crasher. Vor ziemlich genau fünf Jahren wankte der US-Leitindex Dow Jones und verlor innerhalb von fünf Minuten mehr als 600 Punkte: Der kurze Crash ging als Flash Crash in die Geschichte ein und vernichtete – allerdings nur sehr kurzfristig – mehr als 1000 Milliarden Dollar an Marktwert. Der britische Händler Navinder S. soll dafür zumindest mitverantwortlich sein, sagt die Aufsichtsbehörde CFTC und das Justizministerium. Der Händler, der von seinem Haus in Hounslow aus handelte, wurde verhaftet (Handelsblatt). In den zwei fraglichen Stunden der Börsenturbulenzen soll der Händler mehr als 62.000 Futures-Kontrakte mit einem nominalen Wert von 3,5 Milliarden Dollar gehandelt haben und so den Aktiencrash begünstigt haben. Die Nachricht irritiert in zweifacher Weise: Erstens ist es höchst beunruhigend, wenn ein Derivatehändler von seinem Homeoffice aus die internationale Finanzwelt ins Wanken bringen kann. Zweitens stellen bereits erste Marktexperten die nicht ganz unberechtigte Frage, ob hier ein Sündenbock gesucht und gefunden wurde:

Goldman investiert in Turbohandel. Auch der Hochfrequenzhandel soll den Flash Crash 2010 verstärkt haben. Doch das Geschäft mit der Geschwindigkeit lockt weiter Investoren und Banken an. Goldman Sachs investiert 20 Millionen Dollar in das Tech-Unternehmen Perseus, das Turbohändler mit Technologie versorgt (FT, Paywall).

Jubiläum für ETFs. Vor 15 Jahren wurden die ersten ETFs in Europa an die Börse gebracht. Diese börsengehandelten Fonds haben sich als Erfolgsgeschichte präsentiert, erlauben sie doch Investoren einen relativ kostengünstigen Zugang zu einem breit gestreuten Anlagevehikel (NZZ). Das Wachstum in den 15 Jahren war zwar enorm, aber gerade im Vergleich zum Geschäft mit aktiven Fonds bleiben ETFs gerade in Europa ein Nischenthema:

Mythische Hürden für Griechenland. Martin Wolf hält viele Schwierigkeiten im Streit zwischen Athen und der Eurogruppe für reine Mythen (FT, Paywall). Die Mythen ranken sich für den FT-Korrespondenten vor allem um die Frage, wie gut denn ein Austritt Griechenlands sein könnte. Aber ein Grexit würde niemandem helfen, weder der Eurozone noch Griechenland. Allein, wirklich gute Alternativen im aktuellen Feiglingsspiel zeigt auch Wolf nicht auf.

Wie geht es mit dem Ölpreis weiter? Ölhändler und -produzenten zeichnen ein höchst unterschiedliches Ölbild (NZZ.at). So rechnet etwa der größte unabhängige Erdölhändler wieder mit steigenden Preisen. Den Ausblick der Branche eint vor allem eine Hoffnung: Tiefer werden die Ölpreise wohl nicht mehr fallen.

Negativzinsen breiten sich aus. Der Drei-Monats-Geldmarktzins Euribor steht erstmals unter der Nulllinie (FAZ). An ihm hängen viele Spar- und Kreditprodukte, auch in Österreich.

Pharma-Deals laufen heiß. Das israelische Pharmaunternehmen Teva bietet 40 Milliarden Dollar für Mylan (WSJ). Beide Unternehmen sind groß im Geschäft mit Generika.

Do you want to see something really scary? Die Analysten von Macquarie stellen ihren Kunden diese Frage und haben sich den Zustand des chinesischen Aktienmarktes angesehen, mit folgendem Ergebnis: Anhand von vielen Indikatoren sind die wichtigsten Börsen in China schon weit über den Zenit einer klassischen Aktienmarktblase geschritten. Nicht nur, dass immer mehr Privatinvestoren Depots bei Brokern eröffnen und so den Boom weiter treiben (Bloomberg). Wie ein Chart der Macquarie-Analyse zeigt, wird der Aktienmarkt auch zusehends von „Margin Debt“ dominiert, also dem Aktienkauf auf Pump: