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Panama Papers

Ein Hafen für Kapital. Warum Offshore?

von Christin Severin / 04.04.2016

Durch die „Panama Papers“ sind Offshore-Firmen in den Fokus gerückt. Doch was sind das für Unternehmen und was bezwecken sie? Ein Überblick von den NZZ-Redakteuren Christin Severin und Christian Steiner.

Was heißt Offshore?

Offshore-Vermögen ist Kapital, das in einem Land deponiert ist, in dem der Anleger keinen Wohn- oder Steuersitz hat. Befindet sich ein Auslandskonto etwa in einer Steueroase, spricht man gemeinhin von Offshore-Banking. Viele dieser Offshore-Banken sind unter einem International Banking Act (IBA) lizensiert, der sie vom eigentlichen Bankensystem des Landes abtrennt. Das bedeutet gemäß deutscheskonto.org, dass sie nur mit Ausländern Geschäfte machen dürfen, keine Einlagensicherung gilt und sich die Behörden bei Problemen mit der Bank nur in seltenen Fällen um Hilfe bemühen. Länder mit solchen IBAs findet man vor allem in der Karibik.

Wer braucht Offshore-Konstrukte?

Es gibt viele Gründe, sein Geld Offshore anzulegen. Kunden legen Geld im Ausland an, da sie etwas von höheren Zinsen oder besseren Investments profitieren wollen. Aber auch der Vermögensschutz oder restriktive Gesetze im Heimatland können einen zum Gang über die Grenze bewegen. Für Firmen spielen oft steuerliche Aspekte eine Rolle.

Vor allem US-Firmen praktizieren das Parken von Gewinnen im Ausland im großen Stil. Es werden aber nicht Gelder ins Ausland verschoben, sondern viele Töchter und Ländergesellschaften von US-Riesen machen hohe Gewinne. Dass diese Gelder aber nicht zurück in die USA fließen, hat steuerliche Gründe. So erhebt der amerikanische Fiskus – als einer der wenigen Staaten der Welt – Steuern auf dem weltweit erwirtschaften Gewinn der Unternehmen. Der Steuersatz liegt bei relativ hohen 35 Prozent. Fällig werden die Steuern allerdings erst bei der Rückführung der Gewinne in die USA. Die amerikanischen Firmen ziehen es daher offensichtlich vor, den meist sehr viel niedrigeren ausländischen Steuersatz zu bezahlen und die Gelder im Ausland zu belassen. Oftmals werden damit Akquisitionen finanziert. US-Unternehmen haben daher eine große Kapitalbasis im Ausland geschaffen.

Wer bietet Offshore-Konstrukte an?

Offshore-Konten gibt es auf der ganzen Welt. Die Banken von den USA über Singapur bis nach Lichtenstein bieten Dienstleistungen für Ausländer an. Die Schweiz war im Jahr 2015 der größte Offshore-Vermögensplatz. 2,2 Billionen Dollar werden hierzulande verwaltet. (vgl. Grafik) In Südamerika haben die Karibikstaaten, darunter auch Panama die Nase vorn. Zusammen mit den britischen Kanalinseln haben sie eine ähnliches Offshore-Volumen wie die Schweiz.

Was sind Offshore-Gesellschaften, wann sind sie legal und wann nicht?

Offshore-Konten sind grundsätzlich legal, sofern das Geld in und von ihnen versteuert wird bzw. wurde. Ob man sein Geld dabei aus Gründen des Vermögensschutzes, höheren Zinsen oder besseren Investments im Ausland anlegt, spielt für die Legalität keine Rolle.

Illegal werden Auslandskonten bzw. Offshore-Konten erst dann, wenn mit ihnen Steuern hinterzogen werden. Illegal sind Auslandskonten zudem dann, wenn sie für kriminelle Zwecke benutzt werden. Dazu gehören insbesondere die Terrorismus-Finanzierung und Geldwäscherei.

Offshore-Banking wird oft mit illegalen oder unmoralischen Aktivitäten assoziiert. Dieser Ruf ist nicht zuletzt den Darstellungen vieler Regierungen geschuldet, die gerne jegliches Vermögen auf Konten im eigenen Land hätten, um es besser besteuern zu können, Einblick in Vermögenssituationen zu bekommen und allenfalls schneller auf das Vermögen zugreifen zu können.

Offshore-Konten werden völlig legitim häufig von Personen benutzt, die wenig Vertrauen in die Banken oder die Wirtschaft ihres Heimatlandes haben oder in einer politisch instabilen Region leben und Expats, die eine Bankadresse für ihre internationalen Banking-Bedürfnisse wünschen.

Wieso Panama?

Die Panama Papers erlauben einen Blick in die zwielichtigen Geschäfte von Panama. So kennt Panama ein liberales Bankengesetz, das zahlreiche Kreditinstitute angelockt und den Staat zu einem der bedeutendsten Finanzplätze Lateinamerikas gemacht hat: Etwa 90 Banken verwalten Einlagen in der Höhe von rund 65 Milliarden Dollar. Zudem bietet Panama konkurrenzlos niedrige Steuern für Firmen an. Diesen Missstand prangert auch die EU an. Im vergangenen Jahr hat sie Panama auf eine Liste mit „nicht mit der EU kooperierenden Ländern“ gesetzt.

In den 1980er Jahren war das Land das Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle. Zuletzt bemühte sich Panama allerdings darum, dieses Image loswerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren.