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Geldpolitik

Ein historischer Monat für Notenbanken

Meinung / von Thomas Fuster / 30.11.2015

Im Dezember stehen wichtige geldpolitische Entscheide an. Während die EZB ihre Politik weiter lockern dürfte, wird von der Fed eine Zinserhöhung erwartet. NZZ-Redakteur Thomas Fuster über den konfrontativen Kurs der Geldpolitik. 

Politik verlangt ein Denken in Szenarien. Das gilt auch für die Geldpolitik. Dieser Tage ist die Abschätzung möglicher Ereignisse jedoch äußerst komplex. So steht mit dem Dezember ein geldpolitisch ereignisreicher Monat vor der Tür. Während am 3. Dezember der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine wichtige Sitzung abhält, stecken die Entscheidungsträger der amerikanischen Fed am 15. und 16. Dezember die Köpfe zusammen. Zeitlich dazwischen, nämlich am 10. Dezember, gibt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Lagebeurteilung bekannt. Keiner der drei Anlässe ist bloße Routine.

Für die SNB ist die Ausgangslage knifflig. Sie fällt ihren Entscheid nach der EZB. In Frankfurt wird sehr wahrscheinlich eine Ausweitung des Anleiheprogramms und allenfalls eine Senkung des bereits negativen Leitzinses bekanntgegeben. Das würde den Euro weiter schwächen und den Franken tendenziell stärken. Beides ist nicht im Interesse der SNB. Sie könnte daher versucht sein, es der EZB gleichzutun und die Geldpolitik ebenfalls zu lockern. Möglich wären eine weitere Senkung der Negativzinsen, eine Anpassung des Freibetrags für die Negativzinsen oder eine Intensivierung der Interventionen am Devisenmarkt.

Ob ein solches „tit for tat“ wirklich nötig ist, hängt aber auch vom Verhalten der Fed ab. Dieses dürfte am 16. Dezember endlich die Zinswende einläuten und den Leitsatz erstmals seit 2006 erhöhen. Das käme der SNB entgegen. So würde mehr Kapital in die USA fließen, was den Druck auf die SNB mindern würde, zur Abwehr unerwünschter Anlagegelder eine noch expansivere Politik zu betreiben. Die divergenten Trends im Euro- und im Dollarraum bergen somit auch Chancen für die Schweiz. Dennoch sieht sich die SNB mit einer komplexen Entscheidungsmatrix konfrontiert. Nicht nur terminlich ist sie eingeklemmt zwischen EZB und Fed.