REUTERS/Kai Pfaffenbach

Walkthrough

Ein konfliktreicher Adventbeginn: Geldpolitik, Zielpunkt, Heta

von Lukas Sustala / 30.11.2015

Warum es mit Zielpunkt noch nicht gewesen ist. Es steht ein geldpolitisch heißer Dezember bevor. Und die Pensionskommission hat für einen gar nicht friedvollen Start in den Polit-Advent beigetragen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Zielpunkt vor dem Ende. Die Handelskette hat heute wie erwartet den Insolvenzantrag gestellt. Der Konkurs der Lebensmittelkette Zielpunkt ist laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform unter anderem auf „die mangelnde Bereitschaft der Muttergesellschaft zur weiteren Betriebsmittelfinanzierung“ zurückzuführen. Der Streit um einen umstrittenen Immobiliendeal überschattet aktuell zwar die Debatte um das Unternehmen. Zielpunkt hätte nach eigenen Angaben noch bis 2020/21 Verluste geschrieben. Die Handelskette könnte dabei nur die erste von mehreren Unternehmenspleiten sein, denn die schwache Wirtschaftslage hat dazu geführt, dass doch einige Unternehmen am unteren Ende der Kapitalausstattung verharren (NZZ.at).

Weniger Kohle für Kohle und Co. Wenn es nun in den kommenden Tagen in Paris um die künftige Klimapolitik geht, dann wird es für die Politik vor allem um eine Frage gehen: Wie reduzieren? Gemeint sind natürlich die Emissionen von Treibhausgasen und die Nutzung fossiler Brennstoffe. Doch tatsächlich ist die Politik nur ein Akteur, Unternehmen und Investoren sind ebenfalls wichtige Player für die künftige Klimapolitik, ohne die es nicht gehen wird. Denn irgendjemand muss ja Technologien entwickeln, nutzen und verbessern, die den Schadstoffausstoß reduzieren sollen. Aktuell zeigt sich jedenfalls ein klarer Trend zur „Divestment“-Bewegung. Investoren steigen aus Unternehmen aus, die mit Kohle, Gas oder Öl ihr Geld verdienen (NZZ.at).

Gläubigergruppe lehnt Heta-Angebot ab. 1,2 Milliarden Euro will Kärnten für die Landeshaftungen aufwenden, doch das ist den Gläubigervertretern naturgemäß zu wenig. Die Gläubigerschutzgemeinschaft „Teutonia“, mit einem landesbehafteten Anleihevolumen von 200 Millionen Euro, lehnt das Angebot in einer Stellungnahme ab und wirft Bund/Land „Taschenspielertricks“ vor. Dass einige Gläubiger auf eine volle Befriedigung ihrer Forderungen pochen, wird wohl schlussendlich dazu führen, dass die Gerichte im Fall Heta und Landeshaftungen zu Wort kommen werden.

„Neoliberale Schwarzmaler“. Wer die Temperatur der großkoalitionären Stimmung in Sachen Wirtschaftspolitik fühlen möchte, sollte sich den Eklat um die Mittelfristprognose der Pensionskommission ansehen (NZZ.at). Er zeigt ein in sozialpolitischen Fragen sehr unterkühltes Koalitionsklima an. Der ÖVP zurechenbare Mitglieder der Kommission haben die Mittelfristprognose, die ziemlich positiv bei ihrer Einschätzung der künftigen Pensionsausgaben ist, abgelehnt – geht es nach dem Sozialminister, wird es nun einfach gar keinen Bericht geben (APA).

EZB vor neuer Geldflut. Diese Woche dürfte die Europäische Zentralbank einen höchst geschäftigen Monat für die Notenbanker anstoßen (NZZ.at). Doch bereits davor liegt das Volumen des europäischen Anleihenmarktes, das bereits negative Verzinsungen abwirft bei knapp 620 Milliarden Euro (FT, €). Man darf daher wohl die ernst gemeinte Frage stellen, was es bringen soll, wenn die Zinsen noch weiter sinken.

Free Lunch – Food for Thought

Erste-Chef Andreas Treichl im Interview: „Unser größtes Risikopotenzial ist die Politik“ (Der Standard).

Die Politik des Silicon Valley.

Der schwere Minenunfall in Brasilien hat zu Milliarden-Klagen gegen die Bergbauriesen Vale und BHP geführt (NZZ).

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