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voestalpine

Ein Stahlwerk als Testfall für Europa

von Matthias Benz / 03.06.2016

Voestalpine erwägt überraschend, ein völlig neues Stahlwerk im österreichischen Kapfenberg zu errichten. Gebaut wird aber nur, wenn Wien und die EU für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Der Voestalpine-Konzern hat mit der Mitteilung überrascht, dass man den Bau eines völlig neuen Edelstahlwerkes im österreichischen Kapfenberg erwäge. In Europa ist schon seit Jahrzehnten kein solches Werk mehr gebaut worden. Vielmehr befindet sich die Stahlbranche in einem strukturellen Niedergang. Voestalpine will 2017 entscheiden, ob man das bestehende Werk in Kapfenberg durch einen Neubau ersetzt. Das würde dazu beitragen, die derzeit rund 3.000 Arbeitsplätze am Standort zu erhalten.

Laut Konzernchef Wolfgang Eder wird die Investitionsentscheidung davon abhängen, ob man auf langfristig gute und verlässliche Rahmenbedingungen zählen kann. Eder hat seit langem kritisiert, dass die EU besonders mit ihrer Klimaschutzpolitik die Industrie zu vertreiben drohe. Auch bemängelte er den Niedergang der Standortqualität und den Reformstau in Österreich. Das geplante Werk stelle nun eine große Chance nicht nur für die Steiermark dar. So könne die österreichische Politik nach dem Kanzlerwechsel beweisen, dass es ihr mit dem Versprechen zur Verbesserung der Standortqualität ernst sei.

Obwohl die Stahlbranche in Nöten steckt, vermochte Voestalpine im Geschäftsjahr 2015/16 ein solides Ergebnis zu erzielen. Das gelang dank der Fokussierung auf technisch und qualitativ hochwertige Spezialprodukte.