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Walkthrough

Eine Leseliste und eine traurige Gewissheit bei Zielpunkt

von Lukas Sustala / 23.12.2015

Der letzte Walkthrough vor den Weihnachtsfeiertagen beginnt mit einer kurzen Leseliste für die Feiertage und das Jahr 2016. Die Zinsen werden auch im nächsten Jahr nicht steigen. Und (nur) jede zweite Zielpunkt-Filiale ist für Käufer interessant. Ein Walkthrough durch das Geld-Phänomen mit den besten Weihnachtswünschen!

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Weihnachtszeit. Als Fan guter Bücher in der Urlaubszeit will ich im letzten WalkthroughDer nächste Walkthrough erscheint am 28. Dezember. vor Weihnachten eine kleine Leseempfehlung geben. Drei Themen habe ich dabei herausgegriffen, die uns 2016 stark prägen werden, abseits der Dauerbeschallung durch Zentralbanken, den Streit in der heimischen Wirtschaftspolitik, den Öl-Crash oder Sparprogramme bei Banken (NZZ.at):
1. Die kreativen Zerstörer aus dem Silicon Valley 2. Den Trend der Automatisierung 3. Digitales Geld

Der kreative Zerstörer. Auch wenn in Österreich Unternehmer ist, wer Wirtschaftskammerbeiträge zahlt, ist der Unternehmer eigentlich ja viel mehr. Wenn wir alle über den Wandel reden, dann meinen wir die wenigen treibenden Kräfte dahinter. Elon Musk darf man wohl zu der elitären Gruppe jener Menschen zählen, die als „kreative Zerstörer“ im Sinn des österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter durchgehen, als echte Entrepreneure. Seine Unternehmen umspannen Industrie, Technologie und Dienstleistungen (vom Autobauer Tesla bis zum Zahlungsdienst PayPal), seine Ziele sind groß (Marskolonialisierung mit seinem Raumfahrtunternehmen (SpaceX), und er hat viele Freunde, nicht umsonst werden die PayPal-Gründer gerne als „PayPal-Mafia“ bezeichnet. Die Spurensuche, was den Wandel und den Entrepreneur ausmacht, lohnt sich.

Die Zukunft der Arbeit. Wenn sich Hollywood des Themas der Roboter annimmt, dann geht es fast immer um einen heroischen Kampf zwischen Mensch und Maschine um die Vorherrschaft auf der Erde. Doch abseits von Matrix, Terminator oder I, Robot werfen die neuen Formen der Robotik tatsächlich viele Fragen auf. Ich habe noch kein besseres Buch als jenes von Martin Ford zu dem brennenden Thema gefunden, das gerade für einen Industriestandort wie Österreich wichtig ist. Das „Wirtschaftsbuch des Jahres“ für die britische Financial Times zeigt dabei auf, was moderne Roboter von ihren geradezu prähistorischen Vorgängern unterscheidet. Neue, lernfähige Maschinen werden zu einer echten Konkurrenz auf dem globalisierten Arbeitsmarkt und sind für Software-Experten Ford Chance und Risiko zugleich. Für ein Steuersystem wie das österreichische, das vor allem Arbeit besteuert, sind sie natürlich eine besondere Herausforderung.

Digitales Geld. 2015 hat die Euphorie über digitale Formen des Geldes ein Zwischenhoch erreicht. Es geht dabei nicht nur um die Kryptowährung Bitcoin, sondern um die Technologie dahinter (NZZ.at). Im kommenden Jahr werden viele Fintechs und Banken mit neuen Wegen auf den Markt drängen, die Technologie hinter Bitcoin zu nutzen, um effizienter Finanzprodukte zu handeln, Transaktionen abzuwickeln oder Eigentumsrechte transparent zu machen. Ob Sie nun Banker sind, Banken als Partner brauchen oder Banken für die Krise kritisieren, die Beschreibung der digitalen Revolution im Geldwesen von Nathaniel Popper bietet einen wichtigen Anknüpfungspunkt, sich für 2016 vorzubereiten. Wie spannende Persönlichkeiten an einem „Gold für das digitale Zeitalter“ arbeiten.

Was sich 2016 nicht ändern wird. Apropos Vorbereitung. 2016 wird – trotz der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed – ein weiteres Jahr des billigen Geldes werden. Darauf deuten die europäischen Anleihenmärkte, die für Europa noch lange keine Zinserhöhung „einpreisen“, hin. Für die meisten österreichischen Sparer, die auf Einlagen, Garantieprodukte und Lebensversicherungen setzen, bedeutet das ein weiteres Jahr der Enteignung – oder die Auseinandersetzung mit einem strukturierten Gang in riskantere Wertpapiere. Hierbei könnte ein Blick auf unsere Podcasts helfen, insbesondere jene Ausgaben zum richtigen Umgang mit Geld (NZZ.at). Die negativen Staatsanleihenrenditen für Papiere mit zwei Jahren Laufzeit sind ein untrügliches Signal dafür, dass es auch 2016 und 2017 eher keine Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank geben wird. Die Enteignung geht also weiter.

Das Glas ist bei Zielpunkt halbvoll. Immerhin einige hundert Beschäftigte des insolventen Einzelhändlers Zielpunkt können noch Hoffnung schöpfen. Der Gläubigerausschuss der insolventen Handelskette Zielpunkt hat am Dienstag 25 Anbote für insgesamt 113 Zielpunkt-Standorte mit rund 1.350 Beschäftigten einstimmig gebilligt. Mit den 25 Käufern werde es Anfang 2016 Gespräche geben, hat die Bundeswettbewerbsbehörde bekannt gegeben. Für die restlichen 112 Standorte wurden bisher noch keine verbindlichen Angebote gelegt.

Bankenrettungen machen keine Freu(n)de. Die Rettung der angeschlagenen Bank Banif hat in Portugal eine Krise im regierenden Linksbündnis von Ministerpräsident António Costa ausgelöst. Die Kommunisten und der marxistische Linksblock, auf deren Unterstützung der sozialistische Regierungschef angewiesen ist, wollten am Mittwoch im Parlament gegen einen Nachtragshaushalt stimmen, der für die Bankenrettung erforderlich ist. Die Rettung der Banif soll die Steuerzahler mehr als 2,2 Milliarden Euro kosten.

Wie billig bleibt Öl? Der Schweinezyklus im Ölbereich bleibt für die Konsumenten ein Segen. Selbst das Ölkartell rechnet trotz der zuletzt gesunkenen Preise mit weniger Nachfrage, wie der aktuelle World Oil Outlook zeigt. Das Angebot hingegen dürfte hoch bleiben, auch wenn die Kartellmitglieder mit einem steigenden Ölpreis bis 2020 rechnen (oder zumindest auf ihn hoffen). Eine spannende Zahl: Die neuen Prognosen für 2020 legen nahe, dass die OPEC-Länder knapp 220 Milliarden Dollar weniger mit ihren Ölexporten verdienen werden als noch im vergangenen Jahr erwartet. So sieht Umverteilung aus.

Inspirationen – Food for Thought

Dass eine Drohne fast auf Marcel Hirscher gekracht ist, werden Sie vielleicht schon mitbekommen haben (NZZ.at). Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass so etwas passiert, denn die Mini-Helikopter werden immer günstiger und damit ohne Übertreibung wohl bald allgegenwärtig sein (qz).

Urlaubszeit als Zeit, über Urlaub nachzudenken. Österreicher als Urlaubsweltmeister, wie Workoholics (nicht) Urlaub machen und wie Ferien wirklich gut werden.

Was Ökonomen zu Leadership zu sagen haben (NZZ.at).

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