Waseem Obaidi/Bloomberg

Eine saudische Öl-Ära geht zu Ende

von Monika Bolliger / 09.05.2016

Saudi-Arabiens Ölpolitik dürfte trotz des Abgangs des Energieministers wie bisher weitergeführt werden. Die Regierungsumbildung vom Wochenende steht gleichwohl für eine neue Ära. Ein Bericht der NZZ-Korrespondenten Monika Bollinger aus Beirut und Gerald Hosp aus London.

Der neue saudische Energieminister Khalid al-Falih hat am Sonntag erklärt, sein Land werde seine Rolle in den internationalen Energiemärkten beibehalten und seine Position als weltweit „zuverlässigster“ Energielieferant stärken. Riad sei verpflichtet, die existierende und zusätzliche Nachfrage an Kohlenwasserstoffen zu bedienen. Falihs Stellungnahme bestätigte die Einschätzung von Analysten, dass mit der Ernennung des neuen Ministers keine maßgebliche Veränderung in der saudischen Ölpolitik zu erwarten ist.

Weniger Abhängigkeit vom Öl

Falih war vor seiner Ernennung als Gesundheitsminister sowie als Vorsitzender des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco tätig. Die Ernennung wurde am Samstag im Rahmen einer größeren Regierungsumbildung durch König Salman bekannt gegeben. Die Regierungsumbildung soll bei der Umsetzung der umfangreichen Reformpläne für die saudische Wirtschaft helfen, welche Vizekronprinz Mohammed bin Salman vor zwei Wochen unter dem Titel „Vision 2030“ angekündigt hatte. Saudi-Arabien will damit seine Abhängigkeit vom Öl maßgeblich reduzieren.

Der neue Ölminister kann nicht mehr mit 100-Dollar-Öl rechnen
Der neue Ölminister kann nicht mehr mit 100-Dollar-Öl rechnen

Credits: Factset

König Salman hat den altgedienten Ölminister Ali al-Naimi in die Pension geschickt und eine Umstrukturierung des Ölministeriums angeordnet, das nun Ministerium für Energie, Industrie und Bodenschätze heißt. Damit will Riad seine Rohstoff-Exportpolitik und seine Energiepolitik im Landesinneren besser aufeinander abstimmen. Zum Reformprogramm gehören unter anderem eine Kürzung der bis dahin großzügigen Energiesubventionen. Khalid al-Falih war bisher Vorsitzender des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco und wurde lange auf sein neues Amt vorbereitet.

Sein 80-jähriger Vorgänger Ali al-Naimi hatte sich offenbar gewünscht, in Pension zu gehen. Beobachter zeigten sich deshalb wenig überrascht über die Ernennung. Gleichwohl geht mit dem Abgang Naimis eine Ära zu Ende, zumal dieser mehr als zwanzig Jahre in seinem Amt saß. Naimi galt lange als glaubwürdigste Stimme innerhalb der OPEC und beeinflusste die Märkte während langer Zeit maßgeblich.

Verlorene Glaubwürdigkeit

Unter den Königen Fahd und Abdallah hatte Naimi laut Beobachtern weitgehend freie Hand. Nach der Machtübernahme von König Salman begann jedoch dessen umtriebiger Sohn Mohammed, der auch Chef des neuen Hohen Wirtschaftsrates wurde, der saudischen Ölpolitik zunehmend seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Bei einem Treffen erdölproduzierender Staaten inner- und außerhalb der OPEC in Doha im April hatte Naimi nicht die Autorität, ein Abkommen zur Deckelung der Erdölförderung auszuhandeln. Prinz Mohammed bestand darauf, ohne Iran sei keine Einigung zu erreichen. Iran aber will nach der Aufhebung der Sanktionen seine Erdölförderung erst ausbauen. Mit dem Scheitern der Vereinbarung verlor Naimi an Glaubwürdigkeit. Die Vorgänge in Doha wurden von vielen Beobachtern auch dahingehend gedeutet, dass politische Überlegungen, wie die Rivalität mit Iran, für das saudische Verhalten am Erdölmarkt wichtiger werden. Dadurch könnte die Erdölpolitik Riads unberechenbarer werden.

Schwere Zeiten für die OPEC

Falih gilt als Vertrauensmann des Vizekronprinzen. Er ist aber auch ein in der Erdölbranche hochangesehener Fachmann. Der frühere Chef von Saudi Aramco hatte die Politik Naimis im Jahr 2014 unterstützt, die Förderung nicht zu drosseln, um Marktanteile zu halten und Produzenten mit höheren Kosten als Saudi-Arabien unter Druck zu setzen. Unter Falih wird deshalb keine radikale Änderung der saudischen Erdölpolitik erwartet. Während Naimi offenbar bereits die Zeit für eine Drosselung der Produktion gesehen hatte, um den Erdölpreis zu stützen, dürfte unter dem neuen Energieminister die seit 2014 verfolgte Politik weitergeführt werden. Für die Schlagkraft der OPEC könnte eine weitere schwierige Zeit anbrechen.