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Walkthrough

Eine Warnung von McKinsey, der Brexit und lösbare Bankenprobleme

von Lukas Sustala / 15.07.2016

McKinsey warnt vor stagnierenden und fallenden Einkommen. Der Brexit kostet Österreich einen halben Prozentpunkt Wachstum. Die Hoffnung heißt in Österreich Reform. Und drei ganz unterschiedliche Aktien-Stories. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ – McKinsey ist sich nicht so sicher, dass das Realität wird. Eine aktuelle Studie des globalen Beratungsunternehmens McKinsey zeigt, dass das ambitionierte Ziel der steten Verbesserung der Lebensumstände für viele Menschen in den Industrienationen in weite Ferne gerückt ist (NZZ.at). Und dabei geht es gerade auch um einen Generationenkonflikt, ist doch speziell die Einkommens- und Beschäftigungssituation der Jungen prekär. Und dann kommt noch dazu, dass die „Große Koalition die Rente der Jungen verjubelt“ (Zeit). Auch wenn der Text über Deutschland geschrieben wurde, wissen wir spätestens seit dem jüngsten Pensionsgipfel (NZZ.at): An einem nachhaltigen Pensionssystem scheinen nur wenige Interesse zu haben.

In der vergangenen Dekade sind die Markteinkommen von 65 bis 70 Prozent der Haushalte in Industrienationen gefallen
In der vergangenen Dekade sind die Markteinkommen von 65 bis 70 Prozent der Haushalte in Industrienationen gefallen
Das verfügbare Haushaltseinkommen (disposable income) berücksichtigt Umverteilungsmaßnahmen über das Steuer- und Abgabensystem.
Credits: McKinsey

Unangenehme Konsequenzen nach dem Brexit. Die Ökonomen der Bank Austria haben ihre Wachstumsprognose für die heimische Wirtschaft für das Jahr 2017 von bisher 1,5 auf 1,1 Prozent zurückgenommen. Die Prognose für 2016 wird unverändert bei 1,5 Prozent belassen. Der Brexit führe zu weniger Investitionen und Exporten, so die Bank Austria am Freitag anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Konjunkturindikators. Daraus ergibt sich natürlich auch für den Finanzminister so manche unangenehme Frage: Wie sollen die Steuerausfälle der Steuerreform, die noch nicht vollständig gegenfinanziert sind, denn nun wirklich kompensiert werden? Wenn der Konjunkturimpuls vom Brexit tatsächlich aufgefressen wird, muss der Finanzminister wohl an anderer Stelle die Steuern anheben – oder endlich bei den Staatsausgaben auf Verwaltungsreform und Einsparungen setzen. Wenn angesichts der Kürzung der Bankenabgabe vor einem „Budgetloch“ gewarnt wird, darf man nicht vergessen, dass die Einnahmen auf einem absoluten Rekordhoch stehen (Ö1). „Budgetlöcher“ der nahen Zukunft dürfen nicht mehr mit höheren Steuern zugeschüttet werden.

Weniger ist mehr. Chinas Machthaber setzen alle Hebel in Bewegung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Laut offiziellen Zahlen gelingt das auch (NZZ.at). Die Privatwirtschaft ziert sich aber und hält sich mit Investitionen zurück, wie NZZ-Korrespondent Matthias Müller schreibt. Aber immerhin, Chinas Regierung gelingt bis dato die langsame Anpassung an geringere Wachstumsraten. Wenn das allerdings nur ein Ausdruck staatlich verordneter Investitionsprogramme ist, ist es mit der „Neuausrichtung“ der chinesischen Volkswirtschaft und den Ansagen der „Liberalisierung“ auch nicht gerade weit her.

Hoffnungsvolles Reformprogramm. Hier können Sie unseren Clubabend mit Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer vom Montag über das Gründerland und die Reformagenda der Regierung nachhören (NZZ.at).

Zu viel des Schlechten. Das Finanzsystem ist nicht darauf vorbereitet, mit derart niedrigen Zinssätzen umzugehen, warnt der Economist und bezeichnet die Geldpolitik als „langsames Ersticken“.

Casinolizenzen müssen neu ausgeschrieben werden. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat die Zuteilung von zwei von drei Casinolizenzen durch das Finanzministerium endgültig gekippt. Über die dritte Lizenzvergabe muss der VwGH noch entscheiden. Die Vergabe der Lizenzen durch das Finanzministerium im Jahr 2014 war nicht transparent, bestätigte das Höchstgericht eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts.

Food for thought – Inspirationen

Euro-Handel dürfte aus London abwandern (NZZ.at).

Tesla ist eine „Story-Aktie“, doch was ist die Geschichte? (Musings on Markets)

Keine Geschichte auch bei der Deutschen Bank.

Dafür hat die Erste Group dank des Visa-Europe-Verkaufs eine gute Geschichte (Die Presse).

Ein Update zum „Teufelskreis“ aus Banken- und Staatskrisen (VoxEU).

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht es etwas anders als Mario Draghi: Hinter den niedrigen Zinsen stecken sehr wohl die Zentralbanken, nicht ein Absinken der „natural rate“ (BIS).

Italiens Bankenproblem ist lösbar (Peterson Institute, Nicolas Veron).