Erneuter Stellenabbau bei Cisco: Die ständig digital zerrissene Firma

von Giorgio V. Müller / 18.08.2016

Cisco ist nicht der einzige IT-Konzern, der ständig Stellen streicht. Unter dem Strich steigen indes die Belegschaften, weil die abgebauten Stellen mit dem Kauf von Firmen überkompensiert werden.

Bis zu 14 000 Stellen oder jeder fünfte Arbeitsplatz würden beim amerikanischen IT-Konzern Cisco Systems verschwinden, konnte man vor einigen Tagen lesen. Tatsächlich will das Unternehmen «nur» 5500 der insgesamt 73 711 Stellen eliminieren, erklärte es am Mittwoch nach Börsenschluss anlässlich der Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2015/16. Was verständlicherweise Besorgnis über die Verfassung des Unternehmens erregen könnte, war aber nicht mehr als eine weitere, schon fast zur Routine gewordene Ankündigung am Ende des Fiskaljahrs, die den Charakter von Ciscos schnelllebigen Geschäft unterstreicht.

Die meisten gestrichenen Stellen werden wohl in der Fertigung von Netzwerkkomponenten wegfallen, für die Cisco bekannt ist, in dem das Unternehmen aber durch billigere asiatische Produkte konkurrenziert wird. Gleichzeitig expandiert es jedoch in den schneller wachsenden und rentableren Sektoren, vor allem im Bereich Software. Allein durch Akquisitionen sind im abgelaufenen Fiskaljahr 1600 neue Mitarbeiter zu Cisco gestossen. Längerfristig betrachtet hat die Belegschaft stetig zugenommen. Als das Unternehmen im Zenit des Dot-com-Booms im Jahr 2000 vorübergehend das weltweit höchst bewerte Unternehmen war, machte es mit 34 000 Mitarbeitern 18,9 Mrd. $ Umsatz. Nun ist es nur noch einen Drittel so viel wert, obwohl es über 49 Mrd. $ Umsatz erwirtschaftet und Mitte Jahr 73 711 Mitarbeiter beschäftigte.

Cisco steht stellvertretende für viele andere altgediente IT-Konzerne wie Intel, IBM, Oracle und Seagate. Auch sie bauen regelmässig Stellen ab, unter dem Strich erhöht sich jedoch deren Personalbestand, weil sie gleichzeitig zusätzliche Mitarbeiter in neuen Wachstumsgebieten anstellen oder sich dieses Fachwissen via Akquisitionen ins Unternehmen holen. Dieser ständige Auf- und Abbau von Stellen zeugt von der Vitalität, die es in der volatilen IT-Branche zum Erfolg braucht.