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Japan

Erratische Geld- und Fiskalpolitik Japans: Das „Kartoffelspiel“ und der Yen

von Christof Leisinger / 27.07.2016

Japans Geld- und Fiskalpolitiker spielen sich selbst nach Jahrzehnten unglaublicher Experimente die heisse Kartoffel zu. Das macht auch den Yen zum Spielball.

In Japan spielen sich die Geld- und Fiskalpolitiker nach Jahrzehnten unglaublicher, aber ziemlich ergebnisloser Experimente auf dem Weg ins Extremste die heisse Kartoffel zu. So verwundert kaum, dass der Yen mit Kurskapriolen reagiert, sobald eine der beiden Kräfte neue Dynamik ins „Spiel“ bringt. Ebenso wenig überrascht, dass die Yen-Volatilität jüngst auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen ist. Sie ist der Preis, den Anleger für die Absicherung gegen weitere Kapriolen zahlen. Der Markt hat sich also längst auf die geld- und finanzpolitischen Unwägbarkeiten eingestellt. Tatsächlich ist der Yen am Mittwoch zum Dollar um gut 1% gefallen und hat den Schwächetrend der vergangenen Tage wieder aufgenommen, nachdem er von Mitte 2015 bis Anfang August dieses Jahres aufgrund von Sondereffekten zugelegt hatte.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Mittwoch einen riesigen Nachtragshaushalt für Stimuli angekündigt. Allerdings warnen Skeptiker vor „fiskalpolitischer Euphorie“. Sie zweifeln, ob dieser Betrag am Ende des Tages auch in der Wirtschaft ankommen wird. In der Vergangenheit hat es genug Versuche gegeben, die Konjunktur mit künstlichen Ausgabenprogrammen auf Kredit zu beflügeln. Ausser nutzlosen Brücken ins Nirgendwo, konjunkturellen Strohfeuern und enormen Verbindlichkeiten haben sie kaum etwas gebracht. Trotzdem verweigert sich Japan notorisch notwendigen Strukturreformen, lebt über seine Verhältnisse und häuft enorme Verbindlichkeiten an. Das müsste den Yen an sich schwächen. Vor allem dann, wenn sich die Bank of Japan von Abes Ankündigung unter Druck setzen liesse und die Ausgabenträume mit „negativeren Zinsen oder gar freiem Helikoptergeld“ alimentierte. Genau das führt zum Risiko, die Kontrolle über den Prozess zu verlieren. Denn eine Volkswirtschaft reagiert oft nicht mehr linear auf neue Impulse, wenn die Grenzen des bisher Bekannten überschritten werden.