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Walkthrough

Es gibt einen Boom im Wunderland

von Lukas Sustala / 30.10.2015

Der Arbeitsmarktgipfel ist ohne großen Paukenschlag zu Ende gegangen. Den Sparern wird es sehr schwer gemacht. Österreich wächst ein wenig und Ben Bernanke war chronisch überfordert, findet ein Ökonom. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Reformbedarf gibt es genug. Der österreichische Arbeitsmarkt ist an sich heute das Hauptthema bei einem – wenn auch kurzen – Gipfeltreffen von Regierung und Interessensvertretern. Leopold Stefan ist den wichtigsten Herausforderungen für den österreichischen Arbeitsmarkt nachgegangen (NZZ.at): Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, Jugendarbeitslosigkeit, die Beschäftigung von Frauen, Langzeitarbeitslosigkeit und die Work-Life-Balance. In jedem dieser Bereiche gibt es Reformmöglichkeiten und Lehren von internationalen Vorbildern. Doch dann müsste man sich wohl länger Zeit nehmen als nur einige Stunden. Tatsächlich kommen auch die Einigungen eher klein daher: Bonus-Malus light und eine kleine Senkung der Lohnnebenkosten ab 2016.

Sparen schwer gemacht. Die tollste Nachricht zum Weltspartag vorab. Bereits mehr als 2.500 Milliarden Euro an Vermögenswerten notieren zu negativen Zinsen, wie eine aktuelle Analyse der Bank of America zeigt. Also sollten sich auch die Sparer, heute vielleicht noch geblendet von so manchem Mitbringsel, wirklich überlegen, wie genau sie sparen wollen. Die lange etablierte österreichische Tradition, bei der Sparentscheidung jedes Anlagerisiko wie der Teufel das Weihwasser zu meiden, dürfte sich als keine lohnende Strategie erweisen (NZZ.at). Tatsächlich sollten sich konservative Sparer nur wenig Hoffnung auf steigende Zinsen machen: So lange die Arbeitslosigkeit hoch, die Inflation niedrig und die Europäische Zentralbank in expansiver Laune sind, werden die Zinsen niedrig bleiben. Der einzig anhaltende Boom könnte daher das Wachstum des Marktes für negativ verzinste Wertpapiere sein, jenem Marktsegment also, das noch vor fünf Jahren ein märchenhaftes Wunderland gewesen ist.

Der Konjunkturmotor läuft nur langsam. Passend zum heutigen Arbeitsmarktgipfel hat das Wirtschaftsforschungsinstitut neue Zahlen zur mauen Wachstumsdynamik vorgelegt. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal des Jahres wieder leicht gestiegen. Doch damit bleibt die österreichische Wirtschaft deutlich hinter den lange gewohnten Wachstumsraten zurück. Aber immerhin, ohne größere Zwischenfälle könnte sich die Wirtschaft aus der anhaltenden Stagnation erheben können:

Banken aufgepasst. Die Europäische Zentralbank hat seit einem Jahr die europaweite Bankenaufsicht inne. Die europäischen Geldinstitute stehen seitdem unter besonderer Beobachtung und die EZB bereitet aktuell auch eine weitere Verschärfung vor (NZZ.at): höhere Kapitalquoten für Banken mit besonders riskantem Geschäftsmodell. Kurzum: Die EZB als Bankenaufsicht zeigt so langsam ihre Zähne.

Fusionsfieberfortsetzung, diesmal mit Viagra und Botox. In der Pharmabranche bahnt sich, nicht zuletzt dank günstiger Zinsen und Herausforderungen von Generika, eine große Übernahme an. Pfizer könnte Allergan übernehmen, der Pharmakonzern, der etwa mit Viagra bekannt ist, den Botox-Hersteller. 300 Milliarden Dollar wären die beiden Unternehmen zusammen Wert, doch ob sich die Übernahme wirklich auszahlt, bleibt fraglich (WSJ).

Free Lunch – Food for Though:

Es ist eine sehr interessante, und andere, Rezension der Autobiografie des ehemalig mächtigsten Notenbankers der Welt. Aber geht es nach dem Ökonomen Bradford de Long, dann hat Ben Bernanke in der Finanzkrise nicht sein „Courage to act“ gezeigt – so lautet der Titel seines Buches – sondern seine Überforderung (Project Syndicate).

Die globalen Aktienmärkte haben den stärksten Monaten seit Jahren hinter sich (Reuters).

Wieder einmal ist das US-Finanzministerium der Gefahr einer Pleite entkommen (Bloomberg).

700 Jahre an Inflationsgeschichte zeigen, dass die Teuerung in Schweden niedriger als üblich ist (Bloomberg).