Eurokrise 2.0? Die Märkte kümmern sich kaum um Griechenland

von Lukas Sustala / 29.12.2014

Für die Eurozone zeichnet sich ein turbulenter Jänner ab. Griechenland wählt am 25. Jänner ein neues Parlament, nachdem der amtierende Premierminister Andonis Samaras seinen Präsidentschaftskandidaten in drei Versuchen nicht durchbringen konnte. Von einer neuen Eurokrise schreiben viele Medien bereits, hat doch die europäische Schuldenkrise 2010 und 2011 ihren Ausgang in Griechenland genommen.

Am Montag reagierte die Athener Börse mit zum Teil heftigen Kursverlusten jenseits der zehn Prozent auf die Nachricht, die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen sind auf mehr als 9,5 Prozent gestiegen. Doch der griechische Kapitalmarkt ist nach über vier Jahren Dauerkrise bloß ein Schatten seiner selbst und kein angemessener Indikator für Ver- oder Misstrauen in Europas Finanzen.

Ein Blick auf die Staatsanleihen in anderen möglichen Wackelkandidaten Europas zeigt, dass die Panik ausbleibt. Staaten, die bereits 2010 oder 2011 unter massiven Druck von den Kapitalmärkten gekommen sind, spüren von den Finanzmärkten aktuell genau keinen Druck. Portugal, Spanien, Irland und Italien sind an den Anleihenmärkten weiter mit niedrigen Zinsen konfrontiert. Das kann auch damit zu tun haben, dass die Europäische Zentralbank im Jänner ein Ankaufprogramm für Staatsanleihen ankündigen könnte (just drei Tage vor der Wahl in Griechenland, am 22. Jänner). Es zeigt aber auch, dass das Risiko einer massiven Konfrontation zwischen Schuldnern und Gläubigern in der Eurozone derzeit kaum gesehen wird – abseits von Athen.